»Du musst versteh'n, aus eins mach' zehn...«

Gespenstische Atmosphäre im Kleinen Haus des Staatstheaters: weiß verhüllte Gestalten, baumartig ausragend, in grünlich-blaues Licht getaucht. So begann das Stück eines Wahlpflichtkurses (7. und 8.Klasse) unter der Leitung von Brigitte Maniatis, das sich mit dem Thema „Hexenverfolgung“ befasste. Anna und Marie, zwei „ganz normale“ Mädchen suchen inmitten des Zauberwaldes nach Kräutern, die gegen schlechte Träume ebenso helfen wie gegen Mundgeruch und vor allem Liebeskummer. Beim Rühren einer Kräutermixtur verfallen sie in einen Schlaf, bei dem sich, begleitet von Pfeifen, Wispern, Musik, die gespenstischen Gestalten des Ausgangsbildes zu Hexen entwickeln, die sich um den Teufel herum zu farbenprächtigem Tanz zusammenfinden. Formelhafte Wendungen aus dem „Hexeneinmaleins“ aus Goethes „Faust“ lassen den beschwörenden Charakter der Szene deutlich werden.

Wechsel des Schauplatzes, leider mit etwas zu lang und unkoordiniert geratener Umbaupause. Eine Jahrmarktsituation mit Jongleur, Moritatensängerinnen, Dompteur zeigt die Vielseitigkeit der Gruppe: Da wird getanzt, gesungen, im Chor oder einzeln gesprochen. Zum Teil mit einem zwinkernden Auge, zum Teil aber auch mit dem ernsthaften Ansinnen, die Ängste der damaligen Frauen vor der Inquisition zu verdeutlichen. Mit dem Auftritt von zwei Mönchen und den durch sie initiierten Hexenbeschuldigungen wird das Spiel intensiver, körpersprachlich die Ausgrenzung Einzelner durch eine unüberlegt nachplappernde Gruppe von Frauen deutlicher umgesetzt.

Wie wenig hilfreich ein Herrscher einzugreifen vermag, zeigt die Gruppe im 3. Schwerpunkt der Handlung mit dem Auftreten des Herrschers. Dieser Fürst weiß mit aktuellen Forderungen nach Arbeitsplätzen und der Aufforderung, das Kinderzeugen zu befördern, nicht wirklich etwas anzufangen. Die Mönche haben leichtes Spiel, Anna und Marie zu Folter und schließlich Tod durch das Fegefeuer verurteilen zu lassen. Ein Zitat aus dem „Hexenhammer“ soll die Foltermethoden veranschaulichen, wirkt aber etwas aufgesetzt, wird doch mit einfachen Schulstühlen auch so das Frauen zugefügte Leid verdeutlicht. Eindrucksvoll berichten zwei Hexen im Kerker von den Vorwürfen gegen sie, eine Hexe zu sein.

Interessant ist die Schlussszene, in der mit einem einfachen Laken, begleitet wiederum von Musik, ein züngelndes Feuerchen zum vernichtenden Inferno für die verurteilten Mädchen gestaltet wird. Dies schafft Ergriffenheit bei den Zuschauern, auch wenn der Blitz verspätet zuckt und die rote Farbe nicht die gewünschte Intensität erreicht. Mit der Information, dass im Norden Afrikas auch im Jahre 1996 noch 300 Frauen als Hexen verbrannt worden seien, wird zum Schluss auf die Aktualität der Thematik verwiesen.
Ein insgesamt abwechslungsreiches Spiel, das vom Publikum mit deutlichem Applaus bedacht wurde.
Von Ute Schneider

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