»Eröffnung« & »Die Prinzenrolle«

Mit einem fetzig zeitgemäßen Auftakt der Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums Wolfenbüttel und Ausschnitten aus ihren „Bolzplatz-Helden“ wurde die 37. Braunschweiger Schultheaterwoche eröffnet. Herr Gropper, der Intendant des Braunschweiger Staatstheaters begrüßte die zahlreichen Zuschauer und machte Mut, sich über das Theaterspiel immer wieder eine neue Sicht auf die Welt anzueignen. Auch betonte er, dass er gern das „Kleine Haus“ und den „theaterspielplatz“ diesem wichtigen, lebendigen Ereignis als Spielstätten zur Verfügung stellt. Denn hier versammeln sich die Zuschauer von morgen.

Vor dem herabgelassenen Vorhang schreitet eine junge Frau zur vorderen Mitte der Bühne, sie will sich in den Abgrund stürzen.
Der Vorhang öffnet sich und die Gruppe kommentiert dieses Vorhaben, mal warnend, mal boshaft, fies, gehässig. Die Außenseiterin passt nicht zu den anderen.
Im Verlauf erfahren wir, welche Kälte und Auswüchse der sie umgebenden Menschen sie in diese Ausweglosigkeit getrieben haben.
Da ist das Paar, bei dem sie übernachten will. Gleichgültiger Ehetrott, Kühle und Entfremdung bis zur Feindseligkeit wird deutlich durch distanzierte Dialoge, nebeneinander ins Publikum gesprochen. Da ist „Prince“, der ihr gefährlich wie ein wölfischer Jäger dubiose Lösungen gegen ihre Einsamkeit verspricht. Wir sehen kalte, gnadenlose Politessen, Ordnungshüterinnen des Gesetzes, die keinerlei Verstöße zulassen. Oder eine sich blöde bräunende Herde am Strand, die nicht mehr in das Innere von Menschen zu sehen vermag. Die junge Frau begegnet dem kurzen, scheinbaren Glück des gerade gekürten „Superstars“, den dumm-naiven „Pink-girls“, die nichts als den nächsten süßen Jungen und den Kampf um seine Anerkennung im Kopf haben. Einengende, nachbarschaftliche Biedermann-Kontrolle
umgibt sie genau wie die Werbungsmeinungsmache a la „Geiz ist geil“. Mobbing in der Schule schließlich vervollständigt die Isolation und hat das junge Mädchen schließlich in die Flucht und an den Rand des Abgrunds getrieben.
Einziger Lichtblick ist ein Gitarrenmädchen, das mit einfühlsamen Texten und Gesang offenbar in die Seele des Mädchens zu scheuen vermag.
Es wechseln Einzel- und Massenauftritte ab und besonders überzeugend ist die Gruppe in ihren chorischen Sequenzen.
Den Nerv der jugendlichen Zuschauer hat das Stück ganz offensichtlich genau getroffen. Sie gingen begeistert mit und applaudierten anhaltend und kräftig.
Daniel Foerster, Schüler, Spielleiter hat dieses Stück mit seinen Mitschülern entwickelt, zum Teil einzelnen Charakteren auf den Leib geschrieben.
Es ist der Gruppe ein sehr ernstes, zum Teil aber aberwitziges Stück Theater gelungen, das auch beim diesjährigen Theatertreffen der Jugend in Berlin eingeladen war.
Von Ilse Hilpert

Kommentieren

Die Kommentar-Funktion wurde wegen Spam-Missbrauch deaktiviert.

Fotos zu den Stücken

Sie haben ein Foto zu »Ihrem« Stück? Wir fügen es gerne der Beschreibung hinzu! Bitte schicken Sie es an .

Mehr Termine...

Schultheaterkalender ...finden Sie auf dem Schultheater- kalender. Spielleiter können dort weitere Aufführungstermine unkompliziert bekannt machen!

Archiv