»Furcht und Elend des Dritten Reiches«

Furcht und Elend des Dritten Reiches
Links, zwo, drei, vier, links, zwo, drei vier,
Aus den Lautsprechern tönt eine verzehrte Stimme, Marschmusik, die Scheinwerfer verteilen ihr Licht gleichmäßig auf der fast leeren Bühne. Nur vier graue T-Shirts liegen vorne am Bühnenrand, auf zwei von ihnen türkise Sandkastenschaufeln.
Die erste Szene der aus sechs Teilen bestehenden Collage beginnt.
Im Gleichschritt marschieren die Darstellerinnen und Darsteller über die Spielfläche. Vier von ihnen bleiben zurück und postieren sich hinter den Oberteilen. Sie stehen einer SS-Wache gegenüber, welche mit einem Knüppel in der Hand zwischen den Zuschauern Patrouille geht.
Wir bekommen einen Einblick in das Leben im KZ. Streitigkeiten zwischen den Gefangenen und Ermahnungen des Aufsehers, der den Häftlingen befiehlt zu singen, was diese auch sofort tun. Das Moorsoldatenlied wird hier als Sprechgesang zum Besten gegeben. Mehr passiert eigentlich nicht.
Auch in den anderen Szenen fehlt die Abwechslung. Es wird mit gut ausgefeilten Dialogen gearbeitet, doch die Bewegung auf der Bühne fehlt. Das Brechtsche Prinzip, welches hier verwendet wird und beinhaltet aus der Rolle auszutreten und somit das Bühnengeschehen als Fiktion zu entlarven, geht nur in einzelnen Fällen auf. Oft ist nicht genau erkennbar wann wir die Akteure als Privatperson und wann als Rolle sehen. Dadurch wirkt auch mancher Spruch eher wie Hohn, dem doch ernsten Thema gegenüber.
Gute Ansätze, wie zum Beispiel auch mal den Duden zur Hilfe zu nehmen, wenn ein Wort in der heutigen Zeit nicht mehr verständlich ist, sind vorhanden, werden aber leider nicht weiter ausgebaut. Die persönliche Note der Spieler bleibt verborgen. Auch fehlt eine wünschenswerte neue Rangehensweise an diesen alten, schwer verdaulichen Stoff.
Am Ende fühle ich mich wieder wie im Geschichtsunterricht , betroffen von den Zuständen zu Zeiten des Nationalsozialismus, aber auch mit der Frage im Kopf, warum ich mich heute noch damit beschäftigen muss.
Von Agnetha Jaunich

Kommentieren

Die Kommentar-Funktion wurde wegen Spam-Missbrauch deaktiviert.

Fotos zu den Stücken

Sie haben ein Foto zu »Ihrem« Stück? Wir fügen es gerne der Beschreibung hinzu! Bitte schicken Sie es an .

Mehr Termine...

Schultheaterkalender ...finden Sie auf dem Schultheater- kalender. Spielleiter können dort weitere Aufführungstermine unkompliziert bekannt machen!

Archiv