»Zeitenwandel«

Geschichtsunterricht im Schnelldurchlauf
Was liegt zwischen Kaiserzeit und Generation X? Richtig, 125 Jahre! Neben zwei Weltkriegen gab es auch die Inflation der Brotpreise, die Wandervogelbewegung, die Italienreise mit dem VW- Käfer, die Erfindung des Gummitwists, Hippies und mediengeile Teenies. 1885 durften noch keine Mädchen auf das Gymnasium gehen. Ein Mercedes fuhr höchstens 70 km/h und trotzdem hielt sich Mutter panisch am Armaturenbrett fest. Im Graben muss das Licht aus sein. Bei der Fußballweltmeisterschaft haben die Frauen den Männern das Bier zu bringen. Mama hat auf der Urlaubsfahrt die Kotztüte vergessen und die Beatles sorgen für Ohnmachtsanfälle. Schüler fordern Sexualunterricht an Schulen und die „Bravo“ proklamiert „Pulli aus dem Rock“. Ein Kind von heute braucht zum Überleben ein Handy, einen I- Pod und einen Laptop.
Die selbst geschriebene Revue „Zeitenwandel“ zeigt einen geschichtlichen Schnelldurchlauf. In 22 Einzelszenen und 75 Minuten Spieldauer werden die Geschehnisse von 125 Jahren präsentiert. Unter der Leitung von Jutta Paul und Frauke Busch agieren bei dem Großprojekt des Wilhelm-Gymnasiums Braunschweig auf der Bühne 33 Spieler der Jahrgangsstufen fünf bis zwölf und eine siebenköpfigen Lifeband. Spannend, wie in Massenszenen die kleinen Fünftklässler schon mal den Oberstufenschülern die Show stehlen können. Aber gerade das gute Zusammenspiel und der gemeinsamen Spielspaß von „Jung und Alt“ ist bestechend. Dramaturgisch wurde besonders auf das Wechselspiel zwischen humorigen und ernsten Szenen geachtet. So berührte nachhaltig die Gedichtsinterpretation „Zuginsfeld“ im Schützengraben, während die Hippies mit Riesenjoints im Unterricht für große Erheiterung beim Publikum sorgten.
Insgesamt wäre aber eine Verkürzung der Stückdauer von Vorteil gewesen. Einige Szenen konnten den Spannungsbogen leider nicht aufrecht erhalten und wirkten dadurch zäh. Außerdem hätten die vielen Toneinspielungen reduziert und durch die gut spielende Band ersetzt werden können. Trotzdem war es eine interessante Inszenierung, die durch eine ansteckende Spielfreude der Akteure bestach.
Von Indra Schiller

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