»Ein guter Mord«

Wie stellt man 2010 Unterdrückung dar?
Wie der Titel bereits erahnen lässt, wurde hier Büchners Woyzeck bearbeitet.
Bearbeitet wohl gemerkt, denn eine klassische Inszenierung war das nicht.
Die Schülerinnen und Schüler der 9c der Gunzelin-Realschule aus Peine haben sich dem Stürmer und Dränger-Stoff spielerisch, improvisatorisch und musikalisch genähert.
Kernthematik ist die Unterdrückung, bei Büchner wie bei der 9c.
Den Schülerinnen und Schülern gelingt der Transfer in die Gegenwart, doch wie stellt man 2010 Unterdrückung dar? Die Frage wird gleich zu Beginn beantwortet:
Auf einem Stuhl steht eine Person die einen Umhang und ein Tuch über dem Kopf trägt, mit ausgebreiteten Armen. Gleich dem Bild aus Abu Ghraib, das einen gefolterten Gefangenen zeigt und um die Welt ging. Das Bild wirkt und wird lange gehalten. Das schlicht gestaltete Bühnenbild entfaltet dabei seine Wirkung und Frau Doctor macht Elektroschockversuche an der Person, die sich als Woyzeck entpuppt.
Die Dialoge in „Ein guter Mord“ wurden selbst entwickelt und es wurde in nahezu jeder Situation eine Alltagssprache gefunden, die die Inhalte wiedergibt und modern daherkommt.
Neu angeordnet wurden die Szenen des Büchner-Fragments, unterbrochen durch Blackouts und darin stattfindenden Umbauphasen, die dem neuen Spielort, dem Haus III des Staatstheaters, ein wenig Tribut zollen mussten, aber trotzdem souverän bewältigt wurden.
Elf Musikstücke wurden in die Vorstellung integriert, hatten allerdings wohl weniger inhaltlichen Charakter als vielmehr atmosphärische Funktion – so blieben besonders die Soli von Lisa Prediger („Only Time“), bei dem man auch den gesamten Chor zu Gesicht bekam, und das herausragende „My Immortal“ von Esra Ela Göktas in Erinnerung. Allerdings agierten die Spieler auf der Bühne ebenso überzeugend wie sie durch auffallend gute Aussprache beeindruckten.
Enttäuschend war an diesem Abend nur die Zuschauerzahl.
Die Bearbeitung und Straffung eines guten Stoffs zu einem gelungenen Stück hat absolut mehr als 20 Zuschauer verdient!
Von Maximilian Burkhardt

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