»UNS«

Durchgestyltes biografisches Theater!
Als Zuschauer kommt man in den Theaterraum des Haus Drei und man begegnet gleich auf der Bühne jungen Menschen, die – stimmungsvoll in pinkes Neon-Licht getaucht – wie kleine Kinder miteinander spielen. Sie jagen, ärgern, hauen sich gegenseitig, lachen gemeinsam und bespritzen sich mit Wasser aus kleinen Kinderwasserbecken. Das alles zu Kindermusik. Per Beamer werden dann anschließend Fotos der Jugendlichen eingeblendet, als sie noch Babys oder kleine Kinder waren. Es sind idyllische, unbeschwerte Bilder voller Zuversicht, ohne Angst, ohne Sorgen. Es sind aber auch vor allem Bilder der Vergangenheit.
Denn die Jugendlichen sind frisch gebackene Abiturienten. Sie sind auf der Schwelle zum Erwachsensein, wo sie lernen müssen, sich zunehmend eigenständig, eigenverantwortlich und selbstbestimmt in der Gesellschaft (und dessen pluralen Anforderungen) zu verorten. Sie sind mitten in der Adoleszenz. In dem Theaterstück „UNS“ des Prüfungskurses Darstellendes Spiel unter der Leitung von Christian Krüger (Ricarda-Huch-Schule) haben sich die Jugendlichen mit der eigenen Lebenssituation auseinandergesetzt – auf Basis von autobiografischen Texten, Foto- und Audioaufnahmen sowie eigenen Interviewrecherchen in der Stadt Braunschweig. Sie sprechen von Schwierigkeiten und Unsicherheiten in ihrem Leben, die sie vorher als Kind gar nicht kannten und denen sie jetzt ausgesetzt sind. Dies wiederum beleuchten sie in mehreren Szenen – amüsant persiflierend – aus Sicht von Wissenschaftlern, Erwachsenen und Medien, und auch durch die Idealisierung der eigenen Kindheit.
Insgesamt ist das Theaterstück ästhetisch auf sehr hohem Niveau gestaltet, allerdings ist dies auch gleichzeitig der Schwachpunkt der Inszenierung: Für ein Biografisches Theater ist sie zu stark ästhetisiert und abstrahiert, Momente vermeintlicher Authentizität gab es selten bis nie. Im biographischen Theater geht es aber um die permanente, aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, auch auf der Bühne. Hier ist sie lediglich als Quelle für selbstverfasste Texte benutzt worden, die dann unter den Schülern anonym getauscht und so weit weiterverarbeitet wurden, das es am Ende für niemanden, auch den Schülern, nicht mehr nachvollziehbar ist, welcher Text wem zugehört. Dies ist zwar zu einem gewissen Grad notwendig, man will ja niemanden vor einem öffentlichen Publikum bloßstellen oder subjektives Betroffenheitstheater machen, aber hier war es am Ende leider doch zu viel.
Ungeachtet dessen hat der Abend durch die hohe Spielfreude und Präzision der DarstellerInnen, der Fülle an atmosphärisch tollen Einfällen und den behandelten Themen Spaß gemacht, was auch zu recht mit viel Applaus belohnt wurde!
Von Kai Müller

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