»Cher Marcel«

Ein grausiges Weihnachtsmärchen
Noch bevor das Stück „Cher Marcel“ der HvF-Acting-AG des Hoffmann-von-Fallersleben-Gymnasiums Braunschweig offiziell losgeht, hat es bereits begonnen: eine der neun weiblichen Darstellerinnen sitzt, mit Lockenwicklern und in einem Rollstuhl offensichtlich als alte Dame verkleidet, auf der Bühne. Die Zuschauer des leider etwa nur zur Hälfte besuchten Brunsviga-Theaters können sich auf ein aufregendes, buntes Detektivspiel freuen, welches nach gut 90 Minuten ein doch überraschendes Ende nimmt.
Wie in dem zum Vorbild genommenen französischen Stück „8 Frauen“ von Robert Thomas ist das weihnachtliche Familientreffen des reichen Marcel Ausgangspunkt der Geschichte. Jener wird zur Überraschung aller erstochen aufgefunden. Die hier neun Frauen, sowohl direkte als auch indirekte Verwandte sowie Angestellte, machen sich nun auf die Suche nach dem Mörder – in diesem Fall offensichtlich weiblich. Es beginnen für die Figuren aufreibende, für den Zuschauer äußerst amüsante, aber teilweise auch schwer zu folgende Schuldzuweisungen – denn jede der Neun könnte den Mord verübt haben. Das augenscheinliche Ende ist schließlich umso überraschender für die Zuschauer wie auch für die Frauen, denn es stellt sich heraus, dass Marcel seinen Tod nur inszeniert hat um hinter die geheimen Laster seiner Familie zu kommen. Das wirkliche Ende des Stücks bildet das Geräusch eines Schusses, dessen Bedeutung der Zuschauer selber suchen muss…und auch findet.
Immer wieder eingestreut werden musikalisch untermalte Gesangseinlagen, aber auch rhythmisches Klopfen und Klatschen oder Sprechgesang. Die Lieder stammen vorwiegend von bekannten Künstlern wie Hildegard Knef („Aber schön wäre es doch“) oder Peter Alexander („Kriminaltango“) aus den 60er Jahren. Anfängliche Probleme wie kleinere Versprecher, zittrige oder zu leise Stimmen und wackelnde Servierwagen nehmen Darstellerinnen und Publikum mit einem charmanten Lächeln hin. Im Nachhinein fragt man sich, ob jene nicht sogar gewollt waren. Auffällig gut versetzen sich die Darstellerinnen in ihre Rollen, betonen und mimen sie entsprechend. Das erscheint oft überspitzt, passt aber doch gut in das komödiantische Wesen des Stückes. Das Publikum geht mit, was durch Lachen oder das laute Erschrecken bei dem Geräusch von Pistolenschüssen deutlich wird. Wir werden aber auch eingebunden, indem die Darsteller von der Bühne herabsteigen und etwa eine Polonaise durch die Zuschauerreihen veranstalten.
Von Maren Kettel

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