»Loving Shakespeare«

They're loving Shakespeare, indeed!
"Doch Ihr seid weise, liebt also nicht; denn weise sein und lieben vermag kein Mensch."

Shakespeares Cressida erklärt recht nüchtern, warum die Liebe so ein zuverlässiger Zündstoff für Tragödien ist. Sie macht die Menschen glücklich, aber auch unvernünftig und zornig. Sie verleiht ihnen die nötige Fallhöhe und lässt sie auch noch fallen.
Loving Shakespeare ist eine Collage aus vier Stücken des englischen Dichters, in denen die Liebe ihr ganzes Zerstörungspotential entfaltet. Sie tötet Lord und Lady Macbeth, Prinz Hamlet und König Lear ebenso wie den Mohren Othello. So bleiben am Ende Königreiche ohne Könige, Tod und Leid, gebrochene Männer und Kunstblut.
Jedes der Stücke wurde von den Mitgliedern der English Drama Group des Max-Planck-Gymnasiums Göttingen auf wenige kurze und sehr intensive Szenen reduziert. Einige Tanzszenen, die mit Unterstützung der Göttinger Ballettschule Art la Danse choreographiert wurden, stehen in lockerer Verbindung mit den Dramen und bilden so einen fünften, weitgehend eigenständigen Teil.
Unter eben dieser Eigenständigkeit der Komponenten leidet allerdings die Gesamtkomposition. Die Stücke stehen kaum verbunden nebeneinander, könnten ebensogut einzeln aufgeführt werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass sie sich in ihren Leitmotiven und der Wahl der Gestaltungsmittel so sehr ähneln, wäre eine engere und organischere Verbindung möglich und wünschenswert gewesen.
Dieser Makel verblasst jedoch angesichts der äußerst gelungenen Umsetzung. Bühnenbild und Requisiten wurden auf das Wesentliche reduziert. Mithilfe einer Schattenwand wird klug angedeutet, was nicht dargestellt werden kann oder soll. Auch die Musikauswahl ist erstklassig. Klassische und moderne Stücke verschiedener Genres unterstützen die dichte Atmosphäre ohne je in Konkurrenz zur Arbeit der Darsteller zu treten.
Denn vor allem die schauspielerische Leistung der Gruppe zeichnete die Aufführung aus. Sowohl die Stimmbeherrschung, zumal in einer Fremdsprache, als auch die Körperbeherrschung in den anspruchsvollen Kampf-, Tanz- und Sterbeszenen war beeindruckend. Die Darsteller präsentierten sehr glaubhaft Gefühlskälte und Leidenschaft, Freude und Trauer, Wahn und Reue.
Wie Shakespeares Julia zögerte ich zunächst, eine Liebeserklärung so schnell zu glauben. Doch nach so mitreißenden siebzig Minuten glaube ich es: They're loving Shakespeare, indeed!
Von Michael Siems

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