»Nicht jeder trägt dasselbe Paar Schuhe«

Träume, Ängste, Illusionen
Nicht jeder trägt dasselbe Paar Schuhe… lernten wir bereits bevor das Stück begann, als wir aufgefordert wurden, unsere Füße einmal in die Luft zu halten. Tatsächlich: es trägt jeder etwas anderes. Und jeder ist anders. Darum ging es in diesem Theaterstück, das die Klasse 9K1 des Lessinggymnasiums unter der Leitung von Desirée Schwiebert aufführte.
Wir befinden uns auf einem Flughafen. Es ist 5.00 Uhr morgens und alle wollen in verschiedene Richtungen. Die Flüge werden jedoch alle gecancelt und nun sitzt man fest. Zeit, sich zu unterhalten, sich zu vergleichen und sich zu beurteilen. Aus diesen Szenen wachsen dann einzelne Einschübe, die die „Träume, Ängste, Illusionen“ der Passagiere, wie die Beschreibung des Stückes bereits vorher andeutete, darstellen.
Das Stück ist ein selbstverfasstes, autobiographisches Stück - und das kommt beim Zuschauer an. Es geht um die Träume von Teenagern, um ihre Ängste, ihre Sehnsüchte, ihre Eifersucht, ihre Wünsche.
Da gibt es die Freunde und die Familie, die unendlich wichtig sind. Doch dort gibt es auch (personifizierte) Konflikte, Hass, Streit. Die Liebe zu ihnen überstrahlt das aber und lässt den Hass verstummen.
Es gibt auch den Wunsch, dazu zu gehören, hübsch zu sein oder das neuste Handy zu haben - und die Angst, abgelehnt zu werden.
Auch das Thema Tod und Krankheit kommt zur Sprache. Ängste werden deutlich: Was passiert, wenn jemand aus meiner Familie stirbt? Was ist, wenn ein Freund mal sehr krank wird? Was, wenn ich schwer krank werde?
Die Einschübe, die vom Geschehen am Flughafen getrennt wurden, erinnerten an das Brechtsche Theater. Vielleicht waren die Einschübe manchmal zu ausgeprägt, sodass die Rahmenhandlung etwas verloren ging, doch die ausschließlich weiblichen Darsteller kompensierten dies mit ihrer deutlich anzumerkenden Spielfreude. Keine fällt aus ihrer Rolle, keine vergaß ihren Text. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass nicht nur der Text saß, sondern auch die Gestik. Die Darstellerinnen arbeiteten mit Gesten, Standbildern und tänzerischen Elementen, die die Handlung unterstrichen, ja einiges erst wirklich deutlich machten. Hier ist großes Lob angebracht!
Auch die technischen Medien passten. Licht und Ton fügten sich perfekt in das Stück, nichts war zu viel, nichts zu wenig. Die teilweise abgespielte Musik untermalte die Botschaften der einzelnen Szenen perfekt.
Es war ein ehrliches Stück, das einem diese Teenager in ihren Gedanken und Wünschen näher brachte. Bei einigen Szenen wurde man an die Erfahrungen seiner eigenen Jugend erinnert, zum Beispiel wenn die Familie am Abendbrottisch sitzt und niemand mit dem anderen zufrieden ist. Einige Szenen waren mit einem Augenzwinkern aufgeführt, was wieder etwas Lockerheit in das Stück brachte, das sonst vielleicht etwas zu belehrend gewesen wäre.
Die Lehre des Stückes ist jedoch klar: Wir sind vielleicht Teil einer Gesellschaft und sind in einer Rolle. Aber wir selbst bestimmen, wer wir sein wollen: „Ich will nicht sein, wie ihr wollt. Ich will ICH sein“.
Von Maria Frommhold

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