»Das Camp«

„Wenn hier irgendjemand merkt, was deine Schwäche ist, dann machen sie dich fertig“
Die Spielerinnen warten aufgereiht im Foyer, im Saal wird dramatische Filmmusik eingespielt, die Zuschauerinnen nehmen Platz. Was wird hier heute gezeigt? Eine Folterkammer à la Clockwork Orange, dargestellt von Mädchen? Wie wird hier etwas von Mädchen zum Thema Gewalt, Straffälligkeit und Erziehungsmaßnahmen erzählt? Erwartet mich am Ende eine Moral der Geschichte oder offene Fragen? Ein Verfolger leuchtet den Eingangsbereich an, die 12 Darstellerinnen marschieren wie in einen Gefängnishof herein. Die graugekleideten Wärterinnen zeigen als erstes ihr Gesicht und geben den rauen Ton vor, während die Gefangenen das Käppi tiefer ins Gesicht ziehen. Ein Rückblick: Die Lagerleitung Hudson muss Stellung nehmen zu den vergangenen Gewaltausbrüchen im Camp und schon wird uns in einer schlichten grau-schwarz-weißen Bildabfolge das Leben in einer geschlossenen Erziehungsanstalt nach Andreas Galks Jugendthriller „Campkids“ dargelegt: Szenen, die Drill, Schikane, Alltagstrott, Mobbing, Machtmissbrauch und Unterdrückung zeigen, wechseln sich ab mit Monologen einzelner Protagonistinnen beider Fronten, die eine Innensicht anstreben. Die Mädchen haben viel Text gelernt, der schroffe Umgangston der Figuren sowie die sensiblen Monologmomente der Einzelnen scheinen ihre Spielfreude und Lust an Präsenz angesprochen zu haben. Sie zeigen sich als ein starkes, sicheres Ensemble, das sich trotz des zunehmenden Gemurmels und rhythmischen Klatschprovokationen während der Bühnenumbauten nicht aus der Fassung bringen lässt. Am Ende bleiben die Fragen: Was passiert mit straffälligen Jugendlichen im Hier und Heute? Wie positioniert sich unsere Gesellschaft im Hinblick darauf? Und vor allem, welche Gedanken haben die jungen Darstellerinnen während der Auseinandersetzung mit dem literarischen Stoff beschäftigt? Ich hätte mich gerne noch mit ihnen darüber unterhalten. Trotz des geschlossenen Systems und der schwarz-weiß Malerei schafft es die Inszenierung Fragen zu stellen, die über die Aufführung hinaus beschäftigen. Danke!
Von Angelika Andrzejewski

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