»Die Russland Horror Picture Show – ein Kinderspiel«

Auf der Straße zum Zeitsprung
Irgendwo in Osteuropa. Markus ist auf der Rückreise von den St. Petersburger Filmfestspielen, es wird kostengünstig gereist: mit dem Bus. Dumm nur, dass ein Motorschaden die Weiterfahrt verhindert und der Jungregisseur nun mit 13 Frauen und 2 Männern am Strand im Nirgendwo auskommen muss. Man braucht kein Prophet zu sein um zu wissen, dass das zwangsläufig zu Reibereien führt. Markus versucht das Beste daraus zu machen und dreht scheinbar spontan eine Dokumentation über das ganze Geschehen. So viel zum Plot der selbstverfassten „Die Russland Horror Picture Show – ein Kinderspiel“, aufgeführt im Haus Drei von der HvF-Acting-AG unter der Leitung von Christine von Samson-Mark und Maike Jacobs.

Die Darsteller sitzen zu Beginn mit Koffern auf der Bühne und jeder schreibt, im zur Figur passenden Stil, seinen Rollennamen auf ein Blatt Papier. Nach einer kurzen Einführung, in der wir erfahren, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben, verwandelte sich der Schauplatz in einen 60m² großen Strand (die Darsteller kippten Säckeweise Sand aus) und obwohl viele Zuschauer mit Regenschirm den Saal betreten hatten, fühlte man sich sofort wie im Urlaub - spätestens, als sich eine junge Dame mit Sonnencreme einschmierte und einem der bekannte Duft in die Nase stieg. Gezeigt wurden kleine Szenen, die uns die Figuren näher bringen sollten. Schade, dass einige Rollen in Klischees erstickt sind – worunter oft die Glaubwürdigkeit litt. Die stärksten Momente hatten die Spielerinnen und Spieler, wenn sie ganz für sich waren oder nur durch Gesten miteinander kommunizierten. Das war schön anzusehen, man erfuhr viel über die Figuren und die hohe Konzentration und Spielfreude der Darstellerinnen und Darsteller kam direkt beim Publikum an. Hier und da gab es noch einige Unsicherheiten auf der Bühne, sodass man der Gruppe noch ein, zwei Wochen mehr Probenzeit gewünscht hätte, um besonders die Choreografien und Massenszenen etwas pointierter gesetzt zu bekommen. Ein Darsteller sprach nicht, sondern saß am Klavier und lockerte die Inszenierung immer wieder durch schöne Musik auf. Von den Talking Heads bis zum großen Time Warp-Finale war für jeden etwas dabei. Am Ende verwandelte sich Markus mit Hilfe der Fahrgemeinschaft in Frank’n’Furter. Nicht irgendwo, sondern nirgendwo in Osteuropa.

Insgesamt ist trotzdem eine stimmige und vor allem abwechslungsreiche Inszenierung gelungen, die bei den Zuschauern eine positive Stimmung ausgelöst haben dürfte. Als man das Theater verließ, wunderte man sich über den strömenden Regen, herrschten doch gerade noch Sonnenschein und 30 Grad.
Von Philipp Radau

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