»Das Leben ist kein Ponyhof oder Lebst du noch oder arbeitest du schon?«

Bootcamp fürs Erwachsenwerden
Ein Junge steht im schwarzen T-Shirt auf einem Stuhl und ruft seine Mitschüler mit Trillerpfeife zum Aufmarsch. Zu Technomusik stapfen 20 schwarz gekleidete Jungen und Mädchen im militärischen Gleichschritt, bewaffnet mit Stühlen, auf eine ansonsten leere Bühne. Die Adoleszenz gestaltet sich als Bootcamp: Beim Spießrutenlauf mit Parolen wie: „Aller Anfang ist schwer“ und eben: „das Leben ist kein Ponyhof“ und zweifelhaftem Motivationstraining werden die Schüler für den Arbeitsmarkt gedrillt. Der wartet dann mit Desillusion auf. Die potentiellen Delphintrainer und Entwicklungshelfer versacken bei stupider Büroarbeit zu Mindestlohn. Für Träume ist kein Platz, wenn man sein Leben auf die Reihe kriegen muss. Das idealistische Projekt einer Gruppe von Spielern, sich mit einer freien Zeitung zu verwirklichen, scheint zum Scheitern verurteilt; das kapitalistische System wartet derweil geduldig darauf, seine abtrünnigen Schäfchen wieder einzufangen.
Lose angelehnt an das Stück „Das Leben ist kein Ponyhof“ von Sarah Lipp und Philipp Harpain hat die 12. Klasse der KGS Moringen unter der Leitung von Christina Brase-Walde aussagekräftige, intelligente Bilder geschaffen. Das Ensemble präsentiert sich in souveräner Spielhaltung und ohne übertriebenen Theaterduktus. Insgesamt wirkt die Inszenierung angenehm entschlackt: kein Text, kein Requisit zu viel. Die vielfältige Nutzung der Stühle als einzige Form von Bühnenbild eröffnet Assoziationsräume. Sie fungieren sowohl als Waffe und Panzer für die feindlich scheinende Arbeitswelt, gleichzeitig scheinen sie wie ein Über-Ich zu garantieren, dass die Spieler nicht aus der Formation ausbrechen.
Durch Verzicht auf weiß geschminkte Gesichter oder chorisches Sprechen hat man trotz der Uniformierung den Eindruck, dass in den schwarzen T-Shirts Individuen stecken. Die Gleichform scheint dadurch keinen inneren Zustand abzubilden, sondern bleibt etwas von der Gesellschaft Übergestülptes. Zum Schluss kommen denn auch bunte T-Shirts zum Vorschein und die Stühle werden an den Rand geschoben – Die Spieler begehren gegen den Truppen-Führer auf und flüchten sich mit bunten Lichtern und Techno-Zirkusmusik in den karnevalesken Diskorausch. Es bleibt eine Befreiung zum Schein. Ein echter Wendepunkt bleibt aus und das Stück endet überraschend abrupt nach weniger als einer halben Stunde. Fast macht es den Eindruck, als sei die Gruppe mit dem Inszenieren nicht fertig geworden. Das Publikum möchte weiterschauen. Aber was bleibt noch zu sagen?
Von Sina Dunker

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