»Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)«

Volle Power, die ganze Zeit
Eine leere Bühne. Bloß eine Schwingtür steht am hinteren Rand. Wie sich später im Gespräch mit den sieben Spielerinnen und Spielern herausstellt, wissen sie eigentlich auch nicht, warum die da steht. „Sieht gut aus“, „Man kann durchgehen“. Aha. Mit derselben Herangehensweise wurde dann auch das Stück „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ inszeniert.
Drei Schauspieler haben es Ende der achtziger Jahre mehr oder weniger für sich geschrieben. Es beinhaltet genau das, was der Titel uns auch schon verrät. Die Spielerinnen und Spieler der Theatergruppe des Abendgymnasiums Braunschweig haben aus den vorgegebenen drei Rollen sieben gemacht. Nach einer kurzen Einführung zu der Person Shakespeares beginnt dann der Werke-Marathon.
Das erste dargestellte Stück ist „Romeo und Julia“. Romeo ist hier ein cooler Sunnyboy, während Julia dicke Luftballontitten und lange blonde Haare hat – ebenfalls von einem Mann gespielt. Männer in Frauenklamotten scheinen tatsächlich immer noch Lacher zu produzieren. Schnell ist der Zuschauer gewarnt, dass ihn eine Aneinanderreihung von Klischeewitzen erwarten wird. Der Humor ist oft unter der Gürtellinie und dabei so platt, dass auch die Luft aus den Ballontitten nicht ausgereicht hätte, das Niveau zu heben.
Anschließend wird „Titus Andronicus“ als Kochshow performt. Ein kurzer Hoffnungsschimmer, dass sich das Stück vielleicht doch noch in eine andere Richtung entwickelt. Diese Performance ist charmant und die stärkste Szene der Inszenierung, bleibt aber auch weit unter ihren Möglichkeiten.
Spätestens bei der Idee, dass „Othello“ gerappt werden muss, weil er schwarz ist, hätten die Klischeealarmglocken laut dröhnen müssen. Die anderen Shakespeare-Werke wurden kaum erzählt. Sie wurden mehr oder weniger nur aufgezählt. Kurze Szenen noch zu „Julius Caesar“ und „Macbeth“, aber auch diese waren nicht der Rede Wert. Das war der erste Akt. Und der gesamte zweite sollte nur von „Hamlet“ handeln.
Man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass sich die Spielerinnen und Spieler mit Shakespeare auseinandergesetzt, geschweige denn eines der Stücke in Gänze gelesen hätten. Auch ist es schade, wobei das natürlich der Vorlage geschuldet ist, dass die einzigen Stücke, die wirklich lang gespielt werden, die sowieso bekanntesten sind. Man erfährt also im Grunde nicht viel Neues über die Werke Shakespeares.
Beeindruckend waren die Energie und die Spielfreude, mit der die Gruppe die Aufführung hinter sich gebracht hat. Volle Power, die ganze Zeit. Dazu noch sehr viel Text, der ebenfalls souverän gesprochen wurde. Die wollen spielen, die wollen einfach nur Spaß haben. Und den hatten sie definitiv.
Wir machen, worauf wir Bock haben, weil wir es lustig finden. Ob euch das gefällt oder nicht. Glücklicherweise schien es einem Teil des Publikums tatsächlich zu gefallen. Und das ist am Ende auch die Hauptsache. Eines wurde an diesem Abend aber wieder einmal deutlich: jede Art von Theater hat seine Berechtigung. Publikum gibt es für alle Formen.
Von Philipp Radau

Kommentare

30.05.2013 23:48 Maike Ostermann
In der Tat ist hier vieles der Vorlage geschuldet- Humor, speziell britischer Humor lässt sich eben auch nur begrenzt übersetzen. Fest steht, dass dieses Stück nur spielen sollte, wer auch Shakespeare etwas abgewinnen kann - sonst wird es unweigerlich zum leeren Klamauk.

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