»Die Geschichte des Alex deLarge«

Vorhang auf - für ein kleines bisschen Horrorshow
In diesem Sinne. Ein bisschen Horror war das schon, doch nicht was Alex betraf. Er war zurückhaltend, fast schon nett und hatte nichts mehr mit Anthony Burgess’ kreiertem Charakter Alex deLarge zu tun. Eine neue Interpretation des Werkes „A Clockwork Orange“ sah ich mir bei der Vorstellung vom Wahlpflichtkurs der 9. und 10. Klasse der Oberschule Lehre in der Brunsviga an. Unter der Leitung von Kathrin Marks und Nina Schindehütte haben die Spieler etwas gewagt, was Stanley Kubrick seinerzeit geschafft hat, das Buch lebendig werden zu lassen und dem Rezipienten kritisch die Befangenheit der Gesellschaft vor Augen zuführen. Wenig von Kubrick inspiriert, wirkten die Szenen erträglich, teilweise lustig. Es schien, als würden die Schüler dem Horror mehr Ausdruck verleihen wollen, wurden jedoch durch gewisse Hemmungen ausgebremst.
Der Hauptcharakter Alex deLarge zieht mit seiner Gang, den Droogs, durch die Straßen und übt wahllos Gewalt an seinen Mitmenschen aus. Warum? Genervt, gelangweilt und vom Alltag angepisst ist Gewalt sein einziges Ventil! Bis er nach einer Vergewaltigung, die mit dem Tod endet, von der Polizei festgenommen wird, ins Gefängnis kommt und sich dort einer Operation unterziehen muss, die sein Wesen bessern soll. Resozialisierung. Nach der Operation empfindet er Ekel und Angst bei jeder Form von Gewalt. Raus aus dem Gefängnis, zurück im wirklichen Leben. Er merkt schnell, dass er verändert wurde aber das Bild, das er der Welt von sich hinterließ, nicht. Schnell spürt er die Rache derer, denen er das Leben zur Hölle gemacht hat und ist wieder gefangen. Gefangen in seinem Leben!
Mit aggressiver Musik begann das Theaterstück. Alles wirkte sehr leicht und wenig anstößig. Die Schüler hatten spürbar Spaß an dem Spiel. Ihnen machte es Spaß sich auf der Bühne mal richtig zu beschimpfen, sich zu beleidigen und die empörte, durch albernes Lachen zum Ausdruck gebrachte Reaktion des Publikums, wahrzunehmen. Bühne frei - endlich mal ein bisschen schocken. Geschockt und irritiert war ich allerdings vor der Angst zu schocken. Oder könnte diese Zurückhaltung gewollt sein? Eine Aggression der Gesellschaft gegenüber war nicht zu spüren.
Ein nicht vorhandenes Bühnenbild und eine minimale Ausstattung mit Requisiten gestalteten das Schauspiel interessant. Die Jugendlichen schienen nur mit sich und ihrem Gegenüber arbeiten zu müssen. Sie tanzten die Szenen synchron, in denen sich geprügelt werden sollte und nahmen den gesamten Raum der Bühne ein. Der Kampf der rivalisierenden Gangs wurde großartig umgesetzt. Interessant wurde es auch in dem Moment, in dem Alex nach seinem Gefängnisaufenthalt alleine auftrat und nicht mehr als Teil seiner Gang. Man spürte sofort seine Hilflosigkeit und seine Einsamkeit.
Die Atmosphäre wurde vor allem durch eine vielfältige Musikuntermalung und ein leichtes Lichtspiel geschaffen, diese wirkten unterstützend und nicht übertrieben.
Insgesamt eine sehr gute Leistung der Schüler, denen man mehr Radikalität hätte zutrauen und sie ein bisschen lauter und aggressiver hätte werden lassen können. War diese Zurückhaltung ein Teil der Inszenierung, um das Bild einer befangenen Gesellschaft zu schaffen, hätte dies noch deutlicher gezeigt werden können.
Von Swetlana König

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