»Huch! Ricarda!«

Sind wir nicht alle Huch?
Wer ist Richarda Huch? Straßen sind nach ihr benannt, Plätze und Schulen. Aber was hat Richarda Huch gemacht? Warum wurden Straßen, Plätze und Schulen nach ihr benannt? Der Rezensent hat keine Ahnung; er weiß nur, dass sie eine Dichterin war und aus Braunschweig kommt. Die Hommage an das Leben und Werk der Theater AG Klasse 7 des Gymnasiums Richarda-Huch-Schule Braunschweig wird da sicherlich weiter helfen und Wissen schenken. Unter der Spielleitung von Matthias Geginat stellen sich ein dutzend Schülerinnen und ein Schüler dem Leben und Werk der Namensgeberin ihrer Schule. In knappen 40 Minuten beleuchten sich auf unterschiedliche Art und Weise Richarda, ihr dichterisches Werk und ihren Mythos.
Zunächst steht ein weißer Stuhl allein auf der Bühne, die Spieler kommen in grauen Trainingshosen und hellblauen Shirts herein, sie buchstabieren den Vornamen und kündigen Ricarda an. Sie kommt nicht, enttäuscht gehen sie ab, nur eine handytippende Spielerin sitzt neben dem Stuhl, ist in sich ganz versunken. Und da tippelt eine junge Spielerin mit Gehstock und grauer Perücke als »alte« Richarda herein, setzt sich neben sie und stellt sich als Richarda Huch vor, sie hätte ihren 50. Geburtstag, ihre Enkelin am Boden korrigiert: 150. Jahre! Und so startet der Reigen der Assoziationen, da wird von einer Moderatorin gefragt, ob Richarda ein Gespenst der Geschichte sei oder ob »Huch« nur für spontanes Erschrecken steht? Zu einer Beschreibung des Braunschweiger Gartens von Huchs Familie stellen die Spieler mit ihren Körpern Treppen, Croquet-Spiele, Turngeräte da und lauschen Richardas Beschreibung ihrer Kindheit. Selbst vergleichen sich in kurzen Standbildern ihre eigenen Lieblingsplätze mit denen von Ricarda, ein Garten kommt nicht mehr vor, dafür Kino, Schwimmband und Selbstbedienungsrestaurant Vapiano. In der Talkshow »Sag die Wahrheit« splittet sich Ricarda in fünf Alters-Egos auf: ein rauchendes Monster, eine vor Glück funkensprühende Ricarda, Richarda als historische Person, Richarda als Vamp und Richarda als selbstverliebte Poetin Miss Universe.
Die Truppe ist mit ihrer Hommage frisch, frech, aktuell, das tut gut. Die Inszenierung arbeitet bewusst körperlich, mit viel Musik und vielen Szenenwechsel. Dabei gerät die Beschäftigung mit Ricarda Huch, ihren Leben und Werk, etwas ins Abseits. Aber gerade das macht neugierig auf Richarda. Diese Theaterminiatur ist Startpunkt, ein Stück von einer großen Geburtstagstorte für Richarda, welches Hunger nach mehr macht.
Am Ende gibt es eine Tortenschlacht zum 150. Geburtstag, aus Spaß wird Ernst und einige der Gratulanten liegen am Boden. Ein Junge mit der Ricarda-Mütze kann nur noch verzeihend »Huch« sagen. Black. Applaus.
Von Christoph Macha

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