»Am seidenen Faden«

Bis alle Stricke reißen….!!!
Ich, wir, die Anderen, das große Ganze, die Welt - alles hängt „Am seidenen Faden“. Unter diesem Titel zeigten die neun Spielerinnen aus dem achten Jahrgang der Theater AG der Ricarda-Huch-Schule Braunschweigs und ihr Spielleiter Matthias Geginat eine beeindruckende, gesellschaftskritische Inszenierung mit langem Nachhall!
Einsam liegt der Erdball in der Mitte der Bühne. Aus den Ecken nähern sich kriechend vier Spielerinnen, welche blau gekleidet sind und im Gesicht Teile der Weltkugel in kräftigen Farben aufgemalt haben. Sie kämpfen um die Welt, die restlichen fünf Spielerinnen kommen hinzu. Das Machtspiel beginnt. Die Weltkugel wird quer durch den Bühnenraum geschossen, geworfen, oder als Bowlingkugel benutzt. Bei diesem Leichtsinn ist es kein Wunder, dass „die Welt am Abgrund“ steht. Besonders dieser Aspekt wurde beeindruckend anhand einer Mauerschau visualisiert!
Immer wieder schafften die Spielerinnen den Wechsel zwischen ihren individuellen und den gesellschaftlichen Fäden, die ihre eigene und die gesamte Welt beeinflussen, die mal einfach reißen und manchmal schwer zu trennen sind, die mal gespannt und mal schlaff die Welt zusammenhalten.
Ein gutes Mittel waren auch die Seile, die die Metapher der Fäden unterstützten. Während des gesamten Spiels werden diese verfremdet. Sie tauchen immer wieder auf und unterstreichen die Thematik. Mal ist es die Schlinge, die sich um den Hals einer der Schülerinnen, welche hier sinnbildlich für die Entwicklungsländer stehen kann, zuzieht, mal ein Lasso, mit dem eine Spielerin eine andere einfängt oder eine Krone für diejenigen, die die reichen Länder repräsentieren. Da alle Spielerinnen blau und grün mit Länderteilen ähnlich wie auf einem Globus bemalt sind, kann das gesamte Stück auf zwei Ebenen betrachtet werden - die individuelle Seite der Spielerinnen und die politische Perspektive internationaler Zusammenarbeit (oder Gegeneinander-Arbeit).
Diese Sinnbildhaftigkeit und die vielen verschiedenen Metaphern, die in der Inszenierung aufgegriffen werden, sind sehr gelungen und gut durchdacht. So werden in kurzer Zeit viele verschiedene gesellschaftskritische, aber auch selbstreflektierende Aspekte wie Umweltverschmutzung, Beziehungen oder Armut mit genug Tiefgang angerissen, sodass sie gute Impulse zum Nachdenken setzen. Getragen wird das Stück vor allem durch die fokussierte und mitfühlende Spielweise der Spielerinnen, welche an einigen Stellen etwas zu pathetisch wirkte.
Dies könnte jedoch auch an dem teilweise überhäuften Einsatz von Musik gelegen haben. So kam es an einigen Stellen zu Dopplungen und es fehlte ein Moment der Ruhe, den die Spielerinnen durch ihre Präsenz und ihre Souveränität auf der Bühne durchaus hätten tragen können. Dennoch bleibt zu sagen, dass den Spielerinnen und ihrem Spielleiter mit dieser Arbeit eine runde Inszenierung gelungen ist. Es war deutlich zu spüren, dass das Stück von den Schülerinnen kam und dass sie viel Arbeit und Mühe in die Text- und Bildsprache gesteckt haben. Am Ende nahmen die Spielerinnen den lang anhaltenden Applaus freudestrahlend und jubelnd entgegen. Vor allem Dank dieser unfassbaren Spielfreude kann man sich schon auf das nächste Stück der AG freuen.
Von Sophie Gittermann

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