»Alice im Anderland«

Bunt verrückte Charaktere
Das Stück „Alice im Anderland“, aufgeführt von der Emil Langen Realschule und der Gottfried Linke Realschule in einer Kooperations AG, handelt von einer Insassin einer Nervenheilanstalt namens Alice. Wie der Erzähler zu Anfang erläutert leidet sie unter allen möglichen seelischen Krankheiten unter anderem Schizophrenie. So bildet sich Alice ihre Umgebung, der Fiktionswelt des Märchens von „Alice im Wunderland“ nach, ein. Die Handlung entspricht einem Fluchtversuch sowie einer Konfrontation mit der Stationsschwester, die Alice als die Herzkönigin des Märchens wahrnimmt. Der Erzähler eröffnete das Stück mit einer Einführung die atmosphärisch sehr gelungen war, leider aber einige Texthänger hatte. Der Bühnenraum wurde vom Ensemble gut genutzt, die Bühnenpräsenz war verteilt. Die Dekoration war sporadisch, wurde aber immer, wenn vorhanden, genutzt. Untereinander waren die Akteure auf einander eingespielt, obwohl sie sich vereinzelt ins Wort fielen. Auffällig war dabei der omnipräsente Dialog zwischen Alice und Grinsekatze, einer ihrer schizophrenen Persönlichkeiten, die sie das Stück lang begleitete. Grinsekatze zeigte ein sehr ausgeprägtes Bewusstsein ihrer Rolle. Eine weitere Nebenrolle, das Kaninchen, stach ebenfalls durch überzeugendes Schauspiel heraus. Das Lispeln des Akteurs, sei es gewollt oder ungewollt, gab der Rolle in jedem Falle Authentizität. Die langen Sprechzeiten von Alice und Grinsekatze nahmen anderen Charakteren etwas zu viel Zeit. Ich hätte gerne mehr von der Antagonistin (der Herzkönigin) gesehen und gehört. Bei ihr erkannte man am besten den Wechsel zwischen den Wirklichkeitsebenen anhand des Wechselns des Kostüms. Anstatt einer Krankenpflegeruniform wurde die Königin in einem sehr pompösen Kleid vorgestellt. Allgemein waren die Kostüme immer eindeutig, passend und leicht detailliert. Licht und Ton haben für mich vor allem am Ende hervorragend zusammengespielt. Das Blitzlicht mit der epischen Musik zu den finalen Standbildern hat für starke Gänsehaut gesorgt! Etwas langatmig werden nur die Dialoge zwischen Alice und der Grinsekatze das Stück entlang. Schade sind auch einige Fehler im Zusammenspiel und die Fehler des eigentlich so stimmlich überzeugenden Erzählers. Alles in allem eine sehr gelungene Handlung mit guten Ansätzen für einige bunt verrückte Charaktere. Der fließende Wechsel zwischen Realität und Einbildung von Alice macht den Handlungsverlauf sehr anschaulich. Ich empfand das Stück als ein schönes Remake des Märchens und eine gelungene Kritik an die Medikamentenbehandlung von psychisch Kranken.
Von Hans Jurdeczka

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