»Le Damp Sau«

Die Mauer muss weg!!!
„Le Damp Sau“ - Einsam stehen die Buchstabenklötze auf der Bühne des LOT Theaters. Ein Titel der Rätsel aufwirft. Was bedeuten diese Worte? Haben sie einen tieferen Sinn? Fiktion? Oder doch Französisch?
Wie viel Tiefgang sich hinter diesem Titel verbirgt, wurde schon nach den ersten Minuten des Stückes deutlich: bereits zu Anfang wurde man mit den Fratzen bekannter europäischer PolitikerInnen konfrontiert.
Besonders verblüffend und mutig war die Dramaturgie des Stückes. So schafften die SpielerInnen der Politischen Theater AG des Helmstedter Gymnasiums am Bötschenberg und ihr Spielleiter David Perner geschickt den Bogen weg von den aktuellen PolitikerInnen hin zu der Mauer zwischen DDR und BRD, um dann über damalige, wahre Flüchtlingsgeschichten zu der momentanen Problematik der Flüchtlingspolitik in Deutschland und ganz Europa zu kommen. Getragen wurde diese Dramaturgie durch die Metapher der Mauer, die sich darauf beziehenden Worte Walter Ulbrichts „Keiner hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ und den Ausruf „Die Mauer muss weg!“. Immer wieder hallten diese Worte durch den Raum - mal alleine, mal als Audioeinspielung, mal kraftvoll vom gesamten Ensemble. Durch den Vergleich zwischen der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland und den Grenzen Europas zu heutigen Kriegsgebieten, wurde die Aktualität dieser Ausrufe untermauert.
Auch visuell wurde das Bild der Mauer aufgegriffen. Immer wieder wurden die Buchstabenklötze zu einer Mauer gebaut, abgebaut und schlussendlich wieder aufgebaut. Die Intention der SpielerInnen wurde sowohl durch die Thematik, aber auch durch ihre ernste und konzentrierte Spielweise im Stück deutlich!
„Ich guck auch lieber weg!“ - Phrasen wie diese und ihr durchweg ironisch, sarkastisches Spiel forderten den Zuschauer auf endlich wach zu werden. Wir feiern den Fall der Berliner Mauer und merken gar nicht, dass wir gerade dabei sind eine neue Mauer zu errichten. Als das Stück schließlich mit einer eindrucksvollen Mauerschau und Biographien aktuell Geflüchteter endete, machte sich im Raum Ganzkörpergänsehaut breit. Die SpielerInnen hatten es durch starke Bilder und einfache Mittel geschafft, die aktuelle Flüchtlingsthematik auf eine andere Art auf die Bühne zu bringen. „Le Damp Sau“, was sich später zu „Lampedusa“ wandelte, gab neue Denkanstöße und zeigte noch einmal die Brisanz der Problematik. !
Lediglich die Kritik an den U.S.A. wurde aus diesem Zusammenhang nicht ersichtlich. Hier wurden mit Themen wie NSA ein neues Fass aufgemacht, an dem vielleicht in einem nächsten Projekt der AG, welches es hoffentlich in naher Zukunft geben wird, weitergearbeitet werden könnte!
In einigen Punkten könnte man die plakative Darstellung des Themas kritisieren, wobei man dennoch nicht vergessen sollte, dass es sehr schwierig ist so ein komplexes politisches Thema von allen Seiten differenziert zu beleuchten. So bleibt zu hoffen, dass die SpieleriInnen ihre liberale und tolerante Denkweise weiter verfolgen und weiterhin den Mut haben, die Bühne als ihr Sprachrohr zu nutzen. Ein großes Lob für diese stimmige und fokussierte Inszenierung an die SpielerInnen und ihren Spielleiter.
Von Sophie Gittermann

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