»Fearful Freaks«

Die Tiefe des Meeres
„Hoffentlich sprechen mich diese Vollspacken jetzt nicht an…“ hört man eine Spielerin auf der Bühne sagen, die vermeintlich die Gedanken des Publikum liest,
als es heißt „Umfragerunde!“. Thema: Persönliche Ängste.
Von intimen Interviews zu diesem sensiblen Thema blieben die Zuschauer des Stücks „Fearful Freaks“ der 9. Klasse des Wilhelm Gymnasiums Braunschweig jedoch verschont. Den Fragen nach den eigenen Ängsten gingen die SpielerInnen selbst ca. 6 Monate lang auf den Grund.
Antworten wie „Einsamkeit“, „Tod“, „die Tiefe des Meeres“, „Krebs“ oder „Dunkelheit“
füllten die konzentrierte Stille im LOT Theater. Wer jetzt aber glaubt, das biografische Stück über Angst sei traurig und deprimierend, der irrt sich!
Die Theater-Ag unter der Leitung von Matthias Wybranietz spielt temporeich zwischen Witz und Ernsthaftigkeit, Unsicherheit und Selbstbewusstsein und ist dabei immer wieder für eine Überraschung gut. Ob man als Zuschauer nun Teil einer Selbsthilfegruppe wird, die zur Abwechslung mal über positive Dinge spricht, Zeuge eines Kampfes zwischen Monster und Mensch wird oder ein Gleichnis von einem gefangenen Elefanten erzählt bekommt - das Stück ist nahezu unberechenbar und schafft es durch metaphorische Elemente das Gefühl von Angst zu visualisieren - ganz ohne Bühnenbild, Kostüm und Requisiten. Lediglich Stühle wurden als verbindendes Element der Szenen auf unterschiedlichste Weise verwendet und dienten als Hilfsmittel um neue Perspektiven auf des Thema zu eröffnen. Nicht nur thematisch spielte sich das Stück auf verschiedenen Ebenen ab, auch theatral gesehen wechselten die SpielerInnen zwischen ihren Haltungen: „So gefällt mir das Stück nicht“, tritt eine Spielerin aus der Rolle und weist darauf hin, dass die bisher thematisierten Ängste keine richtigen Alltagsängste seien.
Im Verlauf des Stückes wird man Zeuge davon, wie sie sich vor Publikum ihrer
Angst stellt mit fremden Leuten zu telefonieren, als sie beim Bringdienst anruft und live eine Pizza bestellt: „Wir sind grad mitten in einer Theateraufführung. Kaffeetwete 4A. Sie können einfach reinkommen, sie stören gar nicht.“ Das Publikum klatscht Beifall.
Als am Ende jeder Zuschauer im Raum steht, da man laut der SpielerInnen nicht auf seinen Ängsten sitzen sollre, wird selbstbewusst angekündigt, das bei dieser Gelegenheit auch gleich geklatscht werden könne. „Letztes Jahr hat man uns vorgeworfen kein richtiges Ende für unser Stück gehabt zu haben - deswegen haben wir dieses Mal einfach gar keins“. Dass es jedoch der perfekte Schluss war, stellen letztendlich die Pizzen unter Beweis, die auf den Punkt ins Haus geliefert wurden. Insgesamt eine mehr als gelungene Aufführung!
Von Eileen Winkler

Kommentieren

Die Kommentar-Funktion wurde wegen Spam-Missbrauch deaktiviert.

Fotos zu den Stücken

Sie haben ein Foto zu »Ihrem« Stück? Wir fügen es gerne der Beschreibung hinzu! Bitte schicken Sie es an .

Mehr Termine...

Schultheaterkalender ...finden Sie auf dem Schultheater- kalender. Spielleiter können dort weitere Aufführungstermine unkompliziert bekannt machen!

Archiv