»Krabat«

Eine Zeitreise mit den göttinger Multitalenten
Das Stück beginnt. Auf der Bühne ein großes Gerüst aus Podesten, das mit Seilen mit der Bühnendecke verbunden ist. Die hintere Wand strahlt in grellem Rot. Auch ohne einen Schüler auf der Bühne ist dieses erste Bild überwältigend. Da hat die 8.Klasse der Waldorfschule Göttingen ganz schön was aufgezogen! Und das betrifft nicht nur das Bühnenbild. Bis ins kleinste Detail durchdacht stehen die SpielerInnen in aufwändigen Kostümen, geschminkt und frisiert, auf der Bühne und finden sich perfekt in ihre Rollen ein. Sie sprechen deutlich in der Sprache Otto Preußlers, haben eine klare Haltung und geübte Gestik und Mimik. Selbst die Bühnenwege scheinen genau geplant worden zu sein. Auch wenn Schüler offiziell keine Profis sind, bei dieser Gruppe kann man durchaus von Schauspielern unter der Leitung eines Regisseurs sprechen. Drumherum ganz viele Helfer: Eltern und Schüler nähen Kostüme, der Kunstlehrer zeichnet Bilder, die mit dem Beamer projiziert als Szenenhintergründe genutzt werden, der Musiklehrer schreibt Lieder und studiert sie mit den Schülern ein und getanzt wird auch noch. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die 90 Minuten verfliegen geradezu, so viel wie diese Inszenierung zu bieten hat.
Als hätte eine Zeitreise stattgefunden, führen die ca. 30 Schüler das Publikum zurück in eine andere Welt. Es ist die Welt Krabats, der zum Schüler des schwarzen Magiers wird und sich mit dieser Entscheidung, wie viele andere, gänzlich seinem Willen unterstellt. Dieser vielleicht undurchdachte Pakt ist nicht ganz harmlos. Das merken die Gesellen in der Mühle und stellen sich der schwierigen und gefährlichen Aufgabe, den Magier zu besiegen. Auch wenn dieses Vorhaben viele Opfer mit sich bringt, siegt am Ende die weiße, auf Liebe beruhende Magie, über die schwarze.
Die Inszenierung von Slava Rozentuller wechselt dabei gekonnt die Stimmungsbilder der einzelnen Szenen mithilfe der Lichttechnik und der verschiedenen Spielorte innerhalb des gesamten Raumes. Die vorhandenen Mittel, die der Raum bietet, wurden vollsten ausgeschöpft. Ein Lob an dieser Stelle an den Schüler am Technikpult, der sich seiner komplexen Aufgabe genauso sicher war wie alle anderen auf der Bühne. Aber kein Wunder, denn mit dem Fach Theater als Pflichtfach hat die Klasse schon einige Aufführungen hinter sich. Schade, das einige Schüler aus dem Publikum keinen Zugang zum Stück bzw. zur Thematik gefunden haben und die Mühe der Spieler nicht zu schätzen wussten. Sichtlich enttäuscht sagt eine Schülerin im Nachgespräch: „Am Ende war die Luft einfach raus, denn in der ersten Reihe haben sie ununterbrochen über uns gelacht.“ So gut wie die Inszenierung auch war, vielleicht könnte man solche Reaktionen vermeiden, wenn man die sogenannte 4. Wand vor der Bühne öffnet, das Publikum als Teil der Aufführung versteht und es auch mal erlaubt ist aus seiner Rolle rauszutreten. Auch wenn das Endergebnis dieser Aufführung mehr als gelungen ist, für die Zukunft machen dieser Schüler Lust auf ein Stück, in welchem sie nicht so sehr hinter ihren Rollen verschwinden. Denn so viele Schüler auf einen Haufen, die Lust auf Theater haben, können ja nur interessant sein. Die würde man gerne auf der Bühne näher kennenlernen.
Von Eileen Winkler

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