»Locked in«

Gefangen in einer leblosen Hülle
„Und was machen wir, wenn er nicht wieder aufwacht, sondern so bleibt?“
Die Inszenierung „Locked in“ befasst sich mit der sensiblen Thematik des komatösen Zustandes, in der der Patient bei vollem Bewusstsein in einer „leblosen Hülle“ gefangen ist.
Dem Darstellenden Spiel Kurs des 11. Jahrgangs des Ratsgymnasiums Wolfsburg gelingt es im Sinne des forschenden Theaters überzeugend, vielfältige Perspektiven dieses Zustandes aufzugreifen und mit informativen Elementen gespickt szenisch umzusetzen. Die zentrale Figur ist ein Jugendlicher namens Tom, den das Publikum von seinem Unfall über den langwierigen und harten Prozess des „Locked in“ bis hin zum ersten Augenzwinkern und der letztendlichen Genesung begleitet. Dabei stehen vor allem auch die allzu menschlichen Reaktionen, Gefühle und Hoffnungen der Angehörigen und Freunde im Vordergrund. Diese helfen dabei, die medizinische Diagnose zu veranschaulichen. Auch das Gefangensein im eigenen Körper und die damit verbundene furchtbare Ohnmacht, sich nicht mitteilen zu können, sowie die teilweise schon grenzwertigen Aufweckversuche der Freunde lassen den Zuschauer in die Situation eintauchen und den schmalen Grat zwischen Verzweiflung und Hoffnung spüren - und letztendlich auch der Angst davor, wie es weitergeht, wenn der Betroffene doch aufwacht.
Die Umsetzung der facettenreichen Forschungsergebnisse ist durch die Mehrfachbesetzung der Hauptfigur, prägnante Requisiten- und Kostümwahl sowie fokussierende Bühnenbeleuchtung gekennzeichnet. Weiße Krankenhauskittel genügen, um die Figur des Locked-in-Patienten von den anderen Rollen zu unterscheiden. Das meist klare und gezielt eingesetzte Licht verdeutlicht, wo es auf der Bühne weitergeht. Choreografien und wechselnde Formationen werden trickreich und funktional eingesetzt, um zum Beispiel die wiederkehrenden Besuche von Freunden und Familie zu symbolisieren oder die Übergänge zwischen den Szenen zu gestalten. Besonders auffällig sind die gekonnten Kontraste zwischen Musik und Grundstimmung der Szenen - so entsteht z.B. zwischen Madonnas Partyhit „hung up“ („time goes by so slowly“) und der kräftezehrenden, schmerzhaften Zeit des Wartens ein fast schon provokanter Bruch, der auch die wechselnden Gefühle der Betroffenen aufgreift. An einigen Stellen könnten die Darsteller jedoch noch mehr auf ihre eigenen Spielkünste vertrauen und dafür den Textanteil reduzieren.
Das gesprochene Wort wirkte zum Teil etwas unnatürlich und abgehackt, wobei gleichzeitig nicht sicher ist, ob dieser Sprechstil vielleicht auch den befremdlichen Zustand des „Locked in“ unterstützen sollte.
Was nimmt man mit aus diesem Stück? Die Hauptfigur Tom ist wieder auf den Beinen, es gibt ein Happy End. Tatsächlich lernt man in den vorangegangenen Szenen, dass nur knapp ein Viertel der Locked-in-Patienten überhaupt ansatzweise zur Normalität zurück findet.
Mut, Hoffnung und Zuversicht waren in dem Stück die beste Medizin für alle Beteiligten, und ein bisschen freut man sich am Ende auch, dass man selbst gesund ist.
Von Juliane Feustel

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