»Locked in«

Schwere Gedanken mit positivem Ende
Locked in – so heißt der Titel des Theaterstückes der Schüler des Kurses „Darstellendes Spiel“ vom Ratsgymnasium Wolfsburg. Auf dem Terrain des forschenden Theaters haben sich die Schüler des 11. Jahrganges intensiv mit der inneren und äußeren Wahrnehmung eines Komapatienten beschäftigt. Mit der typischen Geräuschkulisse eines Autounfalls beginnt das Stück. Und schon sieht man den Patienten im Krankenbett und die geschäftigen Ärzte um ihn herum. Eltern und Freunde werden sofort über den Unfall informiert und erscheinen in großer Zahl um das Krankenbett. Alle sind sehr bemüht, sorgen sich um Tom und versuchen in dieser schwierigen Situation auch mit sich selbst klarzukommen. Durch den Unfall ist Tom ins Koma gefallen. Diese Situation reißt seine Familie und seine Freunde völlig aus dem Alltagsleben. Doch die vielen Besuche im Krankenhaus sind anstrengend, und nachdem sich Toms Zustand auch nach mehreren Wochen nicht bessert, werden die Besuche weniger. Doch schon bald zeigt sich ein Lichtblick – Tom kommuniziert mit seinen Mitmenschen. Zunächst nur über das Augenzwinkern, aber durch intensive Übungen bessert sich sein Zustand schon bald. Nach langwierigen Reha-Maßnahmen schafft Tom die Rückkehr in ein normales Leben. Diese Kraftanstrengung zu leisten haben vergleichsweise nur wenige Komapatienten geschafft.
In anschließenden Gespräch mit den Darstellern nach der Aufführung wird deutlich, warum sie sich für dieses Ende entschieden haben: Ein positives Ende für ein Stück, das sich durchgängig mit sehr schweren Gedanken des Lebens beschäftigt. Aufgrund der Ausgangssituation und der Beschäftigung mit dem Locked-In-Syndrom sind für den Zuschauer die möglichen Lösungen der Situation von vornherein sehr bewusst, sodass der Ausgang der Handlung eher unspektakulär normal daherkommt. Die Stärke der Inszenierung liegt eher in ihrer Darstellung und in ihren szenischen Mitteln. Zunächst ist für den Zuschauer nicht deutlich, wer dieser Tom überhaupt ist, denn abwechselnd liegen verschiedene Personen in seinem Krankenbett. Besonders durch den Einsatz männlicher und weiblicher Darsteller wird dieser Effekt gesteigert. Zum einen stiftet dieses Mittel zunächst Verwirrung und zum anderen hat der Zuschauer die Aufgabe sich intensiv mit der Situation auseinander zu setzen. Die Gefühle Toms, insbesondere seine Verzweiflung darüber, sich nicht mitteilen zu können, werden durch die Aufspaltung seiner Person in fünf Darsteller sehr gut verdeutlicht.
Durch den gezielten Einsatz von Licht, Geräuschen und Musik wurde es dem Zuschauer erleichtert sich in die Geschichte hineinzuversetzen. Diese Effekte wurden von den Schülern sehr gut eingesetzt, sodass Geräusche auf den Punkt genau ein- und ausgeblendet wurden. Kräftige Stimmen und eine fast durchgehende Präsenz der Darsteller auf der Bühne, insbesondere der gezielte Einsatz von Mimik, machten die Aufführung zu einem gelungenen Ereignis. Die individuellen Stärken der Jugendlichen wurden gezielt für die Charaktere auf der Bühne genutzt, ohne ihre Persönlichkeit zu verlieren.
Von Doreen Flach

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