»Schuld ist Zufall«

Was alle angeht, können nur alle lösen
Wenn die 12 Schülerinnen und Schüler, die am Mittwochabend auf der Bühne des Braunschweiger LOT-Theaters stehen, diesen 17. Satz der „21 Punkte zu den Physikern“ chorisch anstimmen, begeben Sie sich damit unmerklich in das tiefe theatrale Fahrwasser des Friedrich Dürrenmatt, dessen dramatisches Werk für dieses Projekt „mit leicht abstrusen Zügen“ offensichtlich Pate gestanden hat.
„Schuld ist Zufall“ – so lautet der Titel dieses munteren Stücks, das der „Darstellendes Spiel“-Kurs des 11.Jahrgangs des Gymnasiums im Schloss in Wolfenbüttel unter der Spielleitung von Jürgen Hellert „nach Motiven von Friedrich Dürrenmatt“ zusammengestellt hat.
Und tatsächlich tapst da ein verwirrter Möbius durch die Nervenheilanstalt, die wiederum von Margarete v. Zahnd geleitet wird (Die Physiker, 1962). Aber auch eine blinde Herzogin (Der Blinde, 1947), ein ehemals krimineller und nun mittelloser Bankier (Frank der Fünfte, 1959) sowie verschiedene Figuren aus anderen Dramen des Großmeisters sind hier „entliehen“, um - in Bademäntel gehüllt und an vorübergehenden Ticks leidend - der Zufälligkeit der Schuld ausgesetzt zu sein.
Beobachtet werden die Figuren, die im Vorfeld allesamt gemeinschaftlich ausgewählt und mit einer eigenen Rollenbiografie ausgestattet worden sind, jederzeit von einem düsteren Tribunal, das ganz im Sinne von „Die Panne“ (1957) die Schuld des Einzelnen verhandelt.
Dass die Pensionäre dabei auch Todesurteile fällen, ist am Ende nur konsequent – zumal manche Figuren auch zu viel reden. Es scheint gerade so, als würde für manchen die Luft bei den geschwollen Textpassagen dünn - was nicht heißt, dass einem nicht selbst die Luft wegbleibt, wenn sich die langen Finger der Blinden heimtückisch um den Hals des arglosen Kurt legen und langsam zudrücken… Bei diesen intensiv gespielten Szenen stört auch die eigenwillige Kostümierung bzw. die Maske nicht mehr, zu der sich die Darsteller nach dem Stück noch weitestgehend nachvollziehbar erklären konnten. Und, auch wenn nicht jede gefällige Pointe zündet: Wenn die Insassen refrainartig nach der (zum Teil verweigerten) Medikamenteneinnahme maskiert zu Stereo Totals „Wir tanzen im Viereck“ abzappeln, entwickelt die Szenerie durchaus einen anarchischen Witz, wie er sich freilich nur in einer Anstalt entfalten mag.
So gibt das ambitionierte – von drei Co-Regisseuren unterstützte – Stück, schließlich einige Impulse für die eigene Schultheaterarbeit, die auch für die meisten Schauspieler am Mittwochabend gerade erst begonnen hat.
Von David Lessenich

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