»Schuld ist Zufall«

Was alle angeht, müssen auch alle lösen
„Wir tanzen im Viereck“ tönt es aus den Boxen und die Darsteller des Stückes bewegen sich mit weißgeschminkten Gesichtern und wild – als Kollektiv und doch jeder allein auf seinem Platz. Das Viereck im Gesicht verbindet sie. Absurd, könnte man sagen, erscheint die Collage mit den vielen Einzelszenen des DS-Kurses aus Jahrgang 11 des Gymnasiums am Schloss aus Wolfenbüttel. Absurd, wie auch viele Dürrenmatt beschrieben, dessen Figuren sich hier wiederfinden. Die blinde Herzogin („Blind“), welche wirr Taler um sich schmeißt, bevor sie Kurt („Play Strindberg“) erwürgt. Oder der betrunkene Alfredo Trapps („Die Panne“), der dem ängstlichen Möbius („Die Physiker“) mit Formel-1 begegnet, statt der gesuchten Weltformel. Sie alle befinden sich in einer Nervenheilanstalt, weil sie schuldig sind und ihre Strafe zu erwarten haben. Aus dem Hintergrund wird beurteilt … und geurteilt, scheinbar zufällig von drei Richtern. Wir alle sind schuldig, scheinen sie sagen zu wollen. Ein jeder für sich, aber es geht alle an. Daher liegt der dramaturgische Höhepunkt dann auch im gemeinsamen Mord der Leiterin Margarete von Zahnd („Die Physiker“). Vielleicht, um die weiteren Pillenabgaben zu verhindern oder auch, um sich aus dieser Anstalt zu befreien tönt es letztendlich chorisch aus allen Mündern: „Was alle angeht, müssen auch alle lösen.“
Vor einem dreiviertel Jahr begann die Arbeit des Kurses: in kleinen Gruppen, auch allein und doch gemeinsam – genau so, wie sich die einzelnen Rollen hier zusammenfinden. Ein Jeder, durch eine erstellte Biografie mit seiner Rolle verbunden, hat auch die passende Kostümierung erhalten. Den letzten Schliff erhielt die Eigenproduktion in einer Probenwoche außerhalb, „[…] die wir in Jogginghosen und Schlappen im Haus verbrachten. Nur einmal waren wir kurz draußen.“
Es hat sich gelohnt, sie verkörpern glaubwürdig ihre Rollen - und das sogar bei gefühlten 40 Grad im LOT-Theater an diesem schwülen Abend. Vielleicht liegt es an der Hitze, dass das Publikum nicht auf Wortwitze und andere Aktionen reagiert. Der anhaltende Applaus am Schluss jedenfalls macht deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler stolz auf ihre Arbeit sein können…so „absurd“ das erscheint.
Von Kristin Meyer

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