»Kinderkreuzzug«

Ein Zuhause gibt es schon längst nicht mehr
Kinder. Heimatlos, alleine und auf der Flucht. Aktuell und brisant ist die Geschichte vom „Kinderkreuzzug“, welche die Wahlpflichtkurse des 7. und 8. Jahrgangs der Oberschule Lehre unter der Leitung von Kathrin Marks und Nina Schindehütte, erzählen.
Aus dem Lautsprecher erklingen Kriegsgeräusche und auf der Bühne bricht Panik aus. Es wird gerannt und geschrien und in Mitten dieses schnellen Tohuwabohus schieben Kinder langsam einen Bollerwagen. Außer diesem Wagen besitzen sie nichts. Ihre Eltern sind tot. Sie sind auf sich alleine gestellt. Andere Kinder stoßen hinzu. Sie sind entwurzelt. Sie haben nichts. Sie können nicht zurückkehren, von wo sie kamen und wissen nicht, wohin sie gehen. Sie verirren sich. Sie sind einsam. Sie sind hilflos und bleiben hilflos. Denn wegschauen und bewusstes Verweigern von Hilfeleistungen werden immer wieder in intensiven Bildern gezeigt.
Es ist Markttag. Äpfel und andere Waren werden feilgeboten. Die Bitte der Kindergruppe um Spenden wird immerzu abgewiesen. Schlussendlich werden sie zu Dieben. Sie stehlen Äpfel. Aus Hunger. Ihre momentane Lage zwingt sie, dieses Verbrechen zu begehen. Es ist nicht Angst oder Gier, nein - es ist der reine Überlebensinstinkt, der sie antreibt.
Wenn die Gruppe einen Schlafplatz findet und schlummert und träumt, dann werden Bilder aus einer besseren Zeit in einer besseren Welt präsentiert. Bilder, die das stereotypische Erwachsenwerden zeigen, wie beispielsweise eine Partydarstellung: Remmidemmi. Die Diskokugel dreht und die Party beginnt. Man tanzt. Man hat Spaß. Man trinkt (zu viel) Alkohol. Eine durchschnittliche Pubertät. Übergang in die Zeitlupe. So wird klargemacht, dass diese Zeiten schon lange her und unerreichbar sind. Die Party geht wieder munter weiter.
Und auch der Krieg. Deichkinds „Remmidemmi“ wird von Raketenabwurfgeräuschen abgelöst. Willkommen in der Realität. Es hat sich ausgeträumt. Man ist wieder wach und hat Hunger.
„Ich habe Hunger.“ - so könnte auch der Titel der klassischen Inszenierung lauten. Wieder und wieder klagen die Kinder über Hunger. „Kreuzzug“ malt das Bild einer grausam-kapitalistischen Gesellschaft, die den eigenen Profit über das (Über-)Leben anderer stellt. Es würde den Marktschreiern doch keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie den Kindern ein wenig Essen und Trinken zustecken würden, anstatt „Verschwindet, ihr verscheucht mir meine ganze Kundschaft!“ zu keifen. Die Humanität und Menschlichkeit bleibt auf der
Strecke.
Man sucht diese auch vergebens, als die kleine Bande der kindlichen Bittsteller auf eine größere, namenlose Menge (vermutlich die restliche Gesellschaft) trifft: Individuell treten die Kleinen einzeln vor: Bitten und Flehen, worauf die Masse reagiert. Chorisch wendet sie sich ab. Synchron schüttelt sie den Kopf. Gleichzeitig vergrößern sie den Abstand zu den Hilflosen und bedrohen sie schlussendlich, bevor sie zusammen die Bühne verlassen. Ein Eindruck, der im ansonst sehr textlastigen Stück bleibende Wirkung hinterlässt. Doch die Szene ist noch nicht zu Ende gespielt: Hoffnung in Form eines Mädchens mit Brot in der Hand naht, welche jäh zerstört wird. Die Mutter kommt erzürnt hinzu. Das Mädchen solle nicht helfen, da man
sowieso selbst nicht genug habe.
Kurz darauf: Es ist Abendbrotzeit und eine Familie sitzt in einem Restaurant. Man ordert das Essen und schmatzend wird dargestellt, dass das was die einen zu viel haben, den Anderen schmerzlich fehlt: Es wird genörgelt und gemosert. Das Essen muss ziemlich übel schmecken. Das aber wäre den Kindern einerlei. Die Spieler stehen stumm, mit nach dem Essen ausgestreckten leeren Händen hinter jedem der Familienspieler. Die Hand bleibt leer und zahlreiche Reste bleiben auf dem Tisch zurück.
Und was bleibt von „Kreuzzug“ zurück?
Ein Appell: Haltet zusammen! Und vor allem: Zeigt endlich mehr Menschlichkeit! Denkt an diejenigen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind! Drückt euch nicht vor eurer Verantwortung! Helft, dass das Leben eines jeden wieder lebenswert wird! „Du musst nun nicht mehr leiden.“ - So wird der Tod eines Mädchens kommentiert. Das sollte sehr nachdenklich stimmen…
Von Laila Hertenstein

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