»Die Elixiere«

Grotesk, gruselig, gebrochen: Gilbert.
„Die Elixiere des Teufels“: Collagenhaft aneinander montierte Szenen, ein sich ständig transfomierender „Gilbert“ als Antiheld in einer surreal anmutenden Story, ein leerer schwarzer Bühnenraum mit grotesk, karikativ verkleideten/spielenden Darstellern und menschlichen Möbeln.
Diese Adaption von E.T.A. Hoffmanns schwarzromantischem Text hat nur noch wenig mit seiner Vorlage gemein, die vom Mönch Medardus, der einem teuflischen Elixier verfällt, erzählt. Dennoch stellt die radikale Neubearbeitung der Elftklässler die Motive des ursprünglichen Stoffes heraus: Unerfüllte Sehnsüchte, Versuchungen, Glaube und Wahnsinn.
Aus dem jungen Mönch wird in der neuen Version ein Junge, der in die Musikbranche geht, und ebenfalls seine Erfahrungen mit dem Teufel macht... Und zwar in Form von Drogen, und Alkohol. Genau wie die Darsteller des Gilbert sich ständig verändern, wandelt sich auch sein Charakter.
Obwohl die jungen Schauspieler ihr Stück in eine moderne Fassung brachten, ist es nie durchweg platt und komisch nur aufgrund der Übertragung in die Gegenwart - Gerade die Ernsthaftigkeit von Themen wie Sucht wurde eindringlich, eindrucksvoll und audiovisuell verdeutlicht. Ein ästhetischer Höhepunkt war eine Partyszene, in der bei flackernden Licht und dröhnender Musik die exzessiv tanzenden Darsteller nach und nach zu Boden sanken.
Insgesamt wurden die unterschiedlichen Motive der „Elixiere des Teufels“ auf unterhaltsame, optisch ansprechende Weise transportiert und teilweise auch in verstörende, gruselige Stimmungen versetzt, die manchmal sogar an den düsteren Stil der Hoffmann-Erzählungen erinnert.
Eine Frage bleibt jedoch offen: In einer frühen Traumszene wird kurz „Space Oddity“ von David Bowie eingespielt, jedoch bereits ausgeblendet, nachdem der Sänger gerade mal die erste Zeile seines Klassikers gesungen hat. Sollte hier bewusst die musikalische Legende assoziiert werden, die ja bekanntlich selbst in die Falle der Drogen tappte, jedoch auch wieder herausfand, und Sucht als Thema sogar in der eigenen Musik verarbeitete? Man muss sich dann fragen: Inwiefern fehlt bei dem uns dargebotenen Musiker Gilbert erstens die Individualität seiner Kunst, die ja trotz (oder sogar wegen?) seiner Abhängigkeit festzustellen sein müsste, vor allem wenn er tatsächlich an Bowie angelehnt sein soll... Und zweitens wo bleiben dann die Reflektion der Abhängigkeit und die Verarbeitung?
Alles, was wir von Gilberts Kunst sehen, ist ein groß aufgeblasen angekündigter Konzert-Auftritt von ihm, der jedoch dank Lichterketten-Sensenmann aufhört, bevor er anfängt - letztlich also genau wie „Space Oddity“.
Von Jannik Graf

Kommentieren

Die Kommentar-Funktion wurde wegen Spam-Missbrauch deaktiviert.

Fotos zu den Stücken

Sie haben ein Foto zu »Ihrem« Stück? Wir fügen es gerne der Beschreibung hinzu! Bitte schicken Sie es an .

Mehr Termine...

Schultheaterkalender ...finden Sie auf dem Schultheater- kalender. Spielleiter können dort weitere Aufführungstermine unkompliziert bekannt machen!

Archiv