»Orpheus in der Unterwelt«

Keine Kraftausdrücke in der Unterwelt
„Orpheus in der Unterwelt“. Das ist der Titel des Stücks, welches die Theater AG des Wilhelm Gymnasiums Braunschweig mit ihrem Spielleiter Sören Conrad inszeniert hat. Spätestens wenn man dazu noch die Stückbeschreibung liest, ergibt sich eine genaue Vorstellung von dem, was man gleich sehen wird: nämlich die klassische Heldengeschichte der Griechen von A-Z. Nicht mehr und nicht weniger. Als vor Beginn der Aufführung angesagt wird, dass alle Texte von einem der Schüler selbst geschrieben sind, bekommt diese Vorstellung Risse und nach der ersten Szene bricht sie völlig...
Die einzelnen Rollen, die durch ihren Text und die starke Umsetzung der Spieler klar charakterisiert werden, bilden eine Interpretation der klassischen Vorlage, die oft zum Schmunzeln und manchmal zum Nachdenken anregt. Die Handlung ist, was die Aufmerksamkeit gut auf die Art der Inszenierung lenkt, nicht sehr komplex und schnell erzählt: Hades verführt die Frau von Orpheus, der geht in die Unterwelt um sie zu retten und trifft dabei Loki...
Halt! Was macht denn Loki in der griechischen Mythologie? War der nicht einer von den anderen Göttern?
Brüche wie diese, die im Stück immer wieder vorkommen, ermöglichen einen neuen Blick auf den Stoff, sie wirken wie ein Kommentar der Gruppe auf das Geschehen, das sie selbst auf der Bühne zeigen. Wie die beiden zickigen Dämoninnen, die sich so lange provozieren, bis die eine aus der Rolle aussteigt und sagt: „Stopp! Keine Kraftausdrücke“. Diese Bezüge in die heutige Welt werden am stärksten, als die Helden den Fährmann bitten, sie über den Styx zu fahren, diese sich aber darüber empört, weshalb denn jeder davon ausgehe, sie sei der „Herr Fährmann“ und nicht wie offensichtlich die Madame Fährfrau, was dann zu einer längeren Auseinandersetzung führt. Diese Art von Tiefe und Kontext brachten dem Stück eine Ernsthaftigkeit, die man gerne auch noch an mehreren Stellen gesehen hätte.
Begleitet wurden die Darsteller von dem siebenköpfigen Chor auf der Bühne, der sehr gut mit ins antike Bild passte. Leider war der echte Gesang sehr selten zu hören, weil das Lied gleichzeitig noch playback eingespielt wurde, was die Atmosphäre von eigentlich starken Bildern etwas verzerrte. Schade war auch, dass man in mehreren Szenen das Geschehen auf der Bühne schlecht erkennen konnte, weil die Beleuchtung zu dunkel war. Die Szenen hingegen, die im Zuschauerraum gespielt wurden, waren dank eines fleißigen Beleuchters am Profilscheinwerfer gut ausgeleuchtet und brachten eine starke Energie zwischen die Zuschauer.
Was am Ende im Kopf bleibt ist ein buntes Bild aus Popcorn-essenden Dämoninnen, Helden, die parodistisch zu heroischer Musik „Ich reeettee dich!“ rufen, und nicht zuletzt einem Hades, der sich überzeugend darüber beschwert, dass er immer so autoritär sein muss.
Von Lennard Walter

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