»Das Ding dazwischen«

Man wird irgendwie ins Leben hinein geworfen
Das Leben besteht immer wieder aus Dingen, die irgendwo dazwischen liegen. Man kann sie nicht einordnen, manchmal nicht einmal benennen. Das, was uns die sechzehn SchülerInnen des Gymnasiums im Schloss Wolfenbüttel unter dem Titel „Das Ding dazwischen“ präsentiert haben, war allerdings alles andere als so ein „Ding dazwischen“. Es war zweifellos ein krönender, ausgezeichneter Abschluss der 47. Schultheaterwoche Braunschweigs. Trotz der Idee, die auf den ersten Blick erscheint, als hätten sich die SchülerInnen mit einem Abriss ihres bisherigen Lebens zu viel vorgenommen, fehlt es an nichts. Der Zuschauer wird dazu eingeladen, mit auf die Entwicklungsreise der Jugendlichen zu kommen und hat die seltene Chance, die eigenen Lebenslevel verbildlicht im Schnelldurchlauf noch einmal Revue passieren zu lassen.
Geschickt haben die DarstellerInnen diese Reise in das moderne Format eines Videospiels gepackt, in welchem sie selbst als bunte, maskierte Spielfiguren auf der Bühne agieren: „Ziel ist es, durch das Erreichen eines Levels erwachsen zu werden“, erklärt eine Stimme aus dem Off.
Das erste Level wird gestartet. Die Kindergartenzeit. „Man wird ja schon irgendwie ins Leben hinein geworfen“, merkt eine der SchülerInnen wie in einem Videotagebuch an, welches sich live für den Zuschauer auf der großen Leinwand mitverfolgen lässt. Dieses ästhetische Mittel als eine von zahlreichen raffinierten Ideen in diesem Stück lässt die Zuschauer an der Privatsphäre der Jugendlichen teilhaben. Eine Situation, die heutzutage völlig normal ist. Was vermisst man, wenn man erwachsen ist? Die Geborgenheit von Mama und Papa? Oder dass im Kindergarten das Aussehen noch egal war? Es fällt nicht schwer, sich mit den Jugendlichen zu identifizieren, die da auf der Bühne gerade ihr Herz ausschütten. Man erkennt sich sogar ziemlich gut wieder.
Nachdem sich noch einmal an das letzte in-die-Hose-machen erinnert wurde, erwartet uns auch schon das nächste Level, die Grundschulzeit. Wird da gerade Stress aufgebaut? Mit bestimmten Rhythmen und Formationen schafft es die Gruppe, ein ganz bestimmtes Lebensgefühl zu erwecken. Zwischen Interessen wie Hannah Montana, Spaghetti oder Schnitzel mit Pommes findet auch das Thema Sexualkunde seinen Platz, das mit Pappmännchen-Theater und einer Glitzerkonfettikanone ordentlich für Stimmung sorgt – und das nicht nur unter den kleinen Zuschauern.
„Die Zeit der scheiß Eltern“, in der man „noch zu alt für die einen, zu jung für die anderen Sachen ist“ oder Willst-du-mit-mir-gehen-Briefchen zum Ankreuzen geschrieben hat, kommt natürlich auch nicht zu kurz. Beeindruckend synchrone Choreographien und emotionale Videotagebuchbeiträge öffnen für das Publikum einen großen Raum für eigene Erinnerungen an diese Zeit, für viel Blödsinn, Liebeskummer und Freundschaften. Dabei darf die Hausparty aber nicht fehlen! Alkohol. Flaschendrehen. Rauchen. Natürlich wird alles live für uns mit der Kamera mitgefilmt und im Großformat auf die Leinwand projiziert. „Es wird endlich Zeit, erwachsen zu werden. Das ist doch keine Kinderparty mehr“, protestiert die Stimme aus dem Off, und vor den Augen der Zuschauer wird die Bühne kurzerhand zur Disco umfunktioniert. Es glitzert. Es wird sich ausgetobt. Es ist beeindruckend, was diese Gruppe innerhalb kürzester Zeit an vielfältigen Bildern schafft.
Obwohl das „Spiel des Lebens“ noch lange nicht zu Ende gespielt ist und diese Collage für das Durchleben des Kindergartenlevels bis hin zum Erwachsenwerden viel zu kurz erscheint, entsteht dennoch das Gefühl von etwas Vollständigem und Rundem. Am Ende führen uns die DarstellerInnen vor Augen, was es bedeutet, erwachsen zu sein: Dass die Vergangenheit einen zu dem macht, was man ist. Und dass jeder für sich selbst entscheiden muss, was das Erwachsensein bedeutet. Eine reife, ja erwachsene Erkenntnis, die jeder Zuschauer für sein eigenes Leben aus diesem Stück mitnehmen kann. Ein großer Gewinn.
„Ich hab das Gefühl, manche Menschen werden nie erwachsen“, merkt eine Zuschauerin an. „Zum Glück“ sagt daraufhin ein anderer.
Von Mona Rau

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