»Kleine Worte ganz groß«

Mein Lieblingswort ist Kuchen. Ich mag Kuchen!
Lieblingswörter, Hasswörter, Schimpfwörter - die 16 Darsteller*innen der Albanischule Göttingen nehmen in ihrem Stück „Kleine Worte ganz groß“ mit Blatt in der Hand, zwar einige in aber keins vor den Mund
Paul hat sich in Marie verliebt und auch Marie findet Paul toll. Doch dann ist da noch der reiche Oscar, der sich in der Wörterfabrik eine komplette Liebeserklärung für Marie kauft. Denn in der fantastischen Welt, die uns die Spieler zeigen, kostet jedes Wort Geld. Hat man aber wie Paul wenig davon, kann man nur die weggeworfenen Bodenwörter in den Mund nehmen oder man bleibt sprachlos.
Sprachlos machen die Schüler in ihrem Alltag, in der Worte frei sein sollten, aber ganz andere Dinge. Ihre persönliche Beziehung zur Sprache wird den Zuschauern bereits am Anfang des Stückes über eine Videoleinwand transportiert. Sie sprechen über ihre Lieblings- und Hasswörter und erzählen, was sie verstummen lässt. Häufig fallen Wörter wie „Familie“, „Glück“ oder im Gegenzug „Krieg“ und „Ungerechtigkeit“. Durch geschickte, dramaturgische Brüche, in denen „Kuchen“ als Lieblings- oder „Hausaufgaben“ als Hasswort fällt, geht der Sequenz die Leichtigkeit der Kinder nicht verloren. Während der Großteil der Darsteller als Wortfabrik-Chor im Mittelteil durchweg eine Ansammlung an Worten robotermäßig, choreographisch und identitätslos auf Zetteln, die nach und nach die Bühne füllen, produzieren, erzählt der Rest der Gruppe die kleine Liebesgeschichte vom Anfang. Sie nehmen die Wörter in den Mund, das heißt sie essen sie und spucken sie dann wieder aus. Vor allem Paul scheinen sie öfter einmal zu fehlen. Geschickt wird so die kurze, aber stimmige Liebesgeschichte fast ohne gesprochene Sprache wiedergegeben. Natürlich gibt es ein Happy End und Marie entscheidet sich für Paul.
Doch am Ende scheint diese Erzählung belanglos, da sie schnell erzählt ist. Wie schön ist es dann, als der starke Chor und auch die Figuren aus ihren Rollen brechen. Da steht da plötzlich eine Gruppe von Acht- bis Zehnjährigen und wirft dem Publikum Wörter entgegen - schöne, hässliche, liebe, türkische. Sie trauen sich und der Zuschauer weiß, dass es ihre sind. Die Spanne ist groß und reicht von einer Assoziationskette des Wortes „Himmel“ bis hin zu „fick dich“. So behält das Stück trotz fiktiver Grundhandlung einen biographischen Grundton.
Die AG lässt die Zuschauer an ihrem ganz eigenen Wortschatz mit Spielfreude und verschiedener theatraler Mittel teilhaben. Nur an einigen Stellen gelingt es nicht diese Mittel zu verknüpfen. Auch ob das im Stück wiederkehrende Lied „Die Gedanken sind frei“ nicht zu weit von den 3. und 4.Klässlern weg ist, bleibt fraglich. Dennoch zeigt die Spielleitung durch Dramaturgie und Themenauswahl, wie man es schafft, mit Schülern im jungen Alter ein Thema reflektiert und ästhetisch auf die Bühne zu bringen - ohne dabei die Freude am Spiel zu bremsen. Man kann gespannt sein, was die AG uns im nächsten Jahr zu sagen hat.
Von Sophie Gittermann

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