»Der Sturm«

Sprach- und bildgewaltig: „Der Sturm“
400 Jahre tot und doch eigentlich quicklebendig: Am vorletzten Tag der Schultheaterwoche in Braunschweig wurde im LOT-Theater von neunzehn jungen Darstellern mit starken Bildern und Musik auf der Bühne bewiesen, dass eine gute Story eine gute Story bleibt - egal wie alt sie ist. Obwohl Shakespeares letztes Drama in dieser Inszenierung radikal auf das Wesentlichste gekürzt wurde, wird man geradezu mitgerissen und hineingesogen, in die Handlung, in die verschiedenen Schicksale - und in den Sturm. Der Sturm, der gleich zu Beginn ein musikalischer Auftakt wird und trotz (oder geraden wegen) minimalistischer Mittel auf eindrucksvolle Weise inszeniert wurde.
Die auf einer Insel Gestrandeten streben nach Macht, gehen über Leichen, sind blind vor Egoismus - der Sturm bringt auch alte Familien-Fehden wieder ins Rollen und wirbelt die Schicksale der Figuren in vielerlei Hinsicht auf.
Trotz der damals wie heute in ihrer Poesie und Bedeutungsvielschichtigkeit gewaltigen Sprache des vor vier Jahrhunderten verstorbenen Dramatikers, hat sich das Ensemble mit den Szenen und Rollen des Dramas allein nicht zufrieden gegeben - und setzt noch einen drauf: Sie erschaffen ausdruckstarke Bilder und Bühnenmomente, arbeiten mit Musik, mit Klang, mit Edgar Allan Poe und bespielen über die Grenzen des Bühnenraums hinaus auch noch den Zuschauerraum.
Unterhaltenswerte Momente waren in jedem Fall die Umsetzung der Fechtkampfszene, und im Allgemeinen blieben außerdem die musikalisch illustrierten Sequenzen, sowie die Darstellung der Romanze um Ferdinand und Miranda als besonders gelungen in Erinnerung.
Obwohl die in einem Nachgespräch mit den Darstellern angedeutete Intention, mit der Inszenierung eine Kolonialismus-Kritik zu formulieren, nicht in jedem Fall deutlich wurde, war es ein gelungener Theater-Abend, der dem Publikum geboten wurde, und eine kreative Neuinszenierung, die Spaß macht und mitreißt.
Von Jannik Graf

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