»Peine, Paris, Peking – The Terminal Movie!«

Warten auf.....
„Ich warte auf Kaffee“. „Ich warte auf Antworten“. „Ich warte auf den Sonnenuntergang“. „Ich warte auf Anerkennung“. „WORAUF WARTEN WIR EIGENTLICH?“.
Mit diesen persönlichen Sätzen schließen die vier DS-Kurse (Jg. 11) des Gymnasiums am Silberkamp Peine ihre Vorstellung. Unter der Leitung von Tina Lucht und Michael Nicht entwickelten die SchülerInnen vier Abschnitte, in denen sie jedoch nicht sich selbst, sondern verschiedene Geschichten und Charaktere zeigen wollten. Das Oberthema: Warten am Flughafen.

Der Zuschauer wird zu Beginn überrascht: Die DarstellerInnen des ersten Kurses kommen aus dem Publikum heraus und gehen mit viel Stimmung und dem Lied „Ab in den Süden“ auf die Bühne. Ganz „flughafenlike“ empfängt hier eine Stewardess die Reisenden am Terminal 1. Und schon geht’s los mit den ersten Geschichten: Die You-Tube Bloggerin Ashley, die 16-jährige Samantha mit Familie, und Murat, der sie geschwängert hat. Klischees werden bedient - und so klären Samanthas Vater und Murat die angespannte Situation „wie Ausländer“ und kämpfen in Slow-Motion, bis Murat letztlich ko zu Boden geht. Weitere Charaktere stellen sich vor: Der Vater, der sich zwischen Job und Familie entscheiden muss, die gestresste Firmeninhaberin Alex, oder Betty, die Reisende, die von einer imaginären Person verfolgt wird. Diese kleinen Geschichten setzen sich auch in Terminal 2 fort. Die DarstellerInnen des zweiten Kurses kommen erneut aus dem Publikum. Kleinere Brüche kommen leider nur sehr wage vor. Beispielsweise, als die Stewardess die wartenden Passagiere des Terminals dazu auffordert, bei einem Rollenspiel teilzunehmen. So entsteht ein Flugzeug in Form eines Schwarms, auf dem der Extremfall nachgespielt wird. Doch schon geht es wieder zurück zu den Charakteren, wie beispielsweise dem Jungen, der sein Gepäck zwischen Australien und Deutschland verlor, oder dem Mann, der beim Pinkeln von Zombies angefallen wird – oder war das alles nur ein Traum? Terminal 3 legte seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf das Erzählen von Geschichten rundherum um Drogen, Kekse, Handys und Lebkuchen, was schnell an Hänsel und Gretel erinnert. Ein Durcheinander entsteht auf der Bühne. Der Zuschauer sieht sich langsam von den vielen und doch sehr ähnlichen in der Spielart gezeigten Geschichten überfordert. Aufgelöst wird Terminal 3 durch einen Bombenkoffer. Doch leider kann auch Terminal 4 inhaltlich nicht mehr bieten, als die drei zuvor. Viele aneinandergereihte Geschichten, leider häufig ohne tieferen Sinn, Abwechslung und Spannung. Ein letztes Aufbäumen in einer choreografischen Tanzeinlage zu Michael Jacksons „Thriller“ lässt den Zuschauer mitklatschen, jedoch ist auch hier nach viermal „Zombiepose“ keine weitere Spannung mehr zu erwarten.

Die DarstellerInnen haben sich schauspielerisch groß ins Zeug gelegt und an ihren Personnagen gearbeitet. Und so brachte das Stück den Zuschauer durch kleinere Witze, Dialoge und Sprüche immer wieder zum Schmunzeln. Leider lässt es jedoch dramaturgisch keine Überraschungen offen - und so fehlte bereits nach dem zweiten Terminal die Abwechslung, die vor allem auf Grund der unterschiedlichen Kurse gut hätte bedient werden können, sowie ein roter Faden, der letztlich dem Stück eine tiefere Quintessenz verliehen hätte. Ästhetische Mittel, wie beispielsweise das chorische Sprechen, wurden nur kurz angewendet und stattdessen klassische Dialoge gezeigt. „WORAUF WARTEN WIR EIGENTLICH? – AUF DAS LEBEN“. Schade, dass von diesen echten Warteszenen aus den Leben der SchülerInnen nicht mehr gezeigt wurden.
Von Hannah Ludwig

Kommentare

07.06.2016 11:17 Friederike Fellner
Haben wir das Warten verlernt? Man gewinnt beim Lesen der Rezension zu „Peine, Paris, Peking“ den Eindruck, das Schultheaterstück könne nur dann mit dem Prädikat „gut“ ausgezeichnet werden, wenn es „echte[n Warte]szenen aus den Leben der SchülerInnen“ enthalte – was auch immer „echt“ hier und auf der Bühne bedeuten soll.
Als Pendant zu Becketts Estragon und Wladimir sind bei „Peine, Paris, Peking“ 105 (!) SchülerInnen gemeinsam am Warten beteiligt, allein diese Tatsache verdient meinen höchsten Respekt. Vielleicht ist es in unserem Zeitalter der Selfie-Flut bei digitaler Gleichzeitigkeit schwer auszuhalten, wenn sich nicht dauernd alles verändert und sich scheinbar einiges wiederholt. Aber ist nicht gerade das sich in der Warteschleife-Befinden vor dem „richtigen Leben“ ein Grundgefühl eines jungen Menschen kurz vor dem Abi? Der Flughafen ist dafür ein ebenso treffendes wie vielfältiges Sinnbild. Dies wird in dem Stück mit verschiedenen Genres verschachtelt – Märchen, Horror, Musikvideo, Liebesfilm etc., die in die Wartewelt einbrechen und die damit sehr wohl ästhetisch geformt und durchbrochen ist (die Rezensentin scheint „ästhetische Mittel, wie beispielsweise das chorische Sprechen“ und „klassische [!] Dialoge“ tatsächlich als Gegensatz zu begreifen, was mir völlig unverständlich ist).
Ich jedenfalls bin letztendlich bewegt von der Warteposition, in die man auch als Zuschauer gesetzt wird, und kann dadurch viele verschiedene Momente des Wartens genießen.
16.06.2016 12:46 Richard
Hallo,
Ich kann mich dieser Rezension nicht anschließen!! Sie haben sich sehr bemüht, jedoch beinhaltet diese "Rezension" nur schlechtes Feedback!
Schade...

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