»Wir schaffen das«

Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann? Niemand?
Das Kleine Haus des Staatstheaters Braunschweig ist überfüllt, die Stadt schweißgebadet von der Sonne. Es ist schwül und einige Besucher merken ironisch an, dass es ja das perfekte Wetter sei, um sich in einen dunklen Theatersaal zu setzen. Doch den 11. und 12. Jahrgang des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Wolfenbüttel schreckt das nicht ab, im Gegenteil: Die Jugendlichen präsentieren sich dem Publikum an diesem Abend mit einer beachtlichen Ladung an Energie. Dabei könnte die Thematik, die sich die Schüler für ihre Darbietung ausgesucht haben, aktueller, tiefgründiger und emotionaler kaum sein.
Während der Einlasssituation werden die Gespräche zunächst noch in voller Lautstärke munter weiter geplappert, es wird ausgelassen gelacht und sich zwischen den Stuhlreihen hindurch geschoben. Der Bühne wird noch nicht ganz so viel Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl die Darsteller bereits zu sehen sind. Abgetrennt von den Zuschauerreihen durch einen großen „Gitterzaun“, der einen starken Kontrast zu dem Strand auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund, dem verstreuten Sand sowie den unterschwelligen Wellengeräuschen bildet. Irgendwie schade, dass alle noch in regen Unterhaltungen stecken, denn ohne den Lärm würde diese Szene sicherlich mehr hergeben.
Der Zuschauerraum wird abgedunkelt, die letzten Sätze gewechselt und die Augen auf die Bühne gerichtet. Und das lohnt sich. Nach und nach formieren sich die Darsteller in einer Reihe hinter dem Gitterzaun mit Blick zum Publikum. Mutiges, selbstbewusstes Auftreten in grellstem Scheinwerferlicht. Dreizehn Mädchen, ein Junge. Einheitlich schwarze Hosen, bunte T-Shirts, barfuß. Das Gesamtbild der Gruppe erscheint höchst interessant: So Unterschiedlich und in einem Punkt doch so gleich: Sie wirken reif, erwachsen und vor allem dazu bereit, mutig und verantwortungsbewusst zu handeln, so schwierig die Situation auch sein mag.
Unterstrichen wird die Szene durch das Ablösen des ruhigen Wellenrauschens von bedrohlicher Musik. Sätze wie „Immer dasselbe … es nimmt kein Ende“ oder „Du siehst immer die gleichen Gesichter“ werden sowohl einzeln, als auch chorisch gesprochen und garantieren Gänsehaut. Und das schon nach ein paar Minuten. Die kurzen Choreographien sowie die gesprochenen Textpassagen werden durchweg sehr deutlich und synchron ausgeführt, es entstehen eindrucksvolle Kontraste und jeder Zuschauer hat die Möglichkeit, sich in irgendeinem Punkt irgendwo wiederzufinden.
Die zu einer Collage zusammen gesetzten Szenen ähneln sich hinsichtlich des Aufbaus – Formation, Choreographie, Fakten, Statements, Erfahrungsberichte. Ab und zu ein paar Requisiten. Doch trotz dieses schlicht gehaltenen Szenenaufbaus gelingt es den Schülern, das Publikum eine Art „Wechselbad der Gefühle“ durchleben zu lassen. Mal ertappt man sich dabei, wie man gelassen zu heiter angestimmten Liedern mitschwingt und auf die Frage „Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann?“ automatisch mit „Niemand!“ antwortet, mal liefern uns die Jugendlichen mit Statements wie „Hauptsache, wir leben“ oder „Verschieden zu sein ist das, was uns besonders macht“, ernsthaften Stoff zum Nachdenken.
Mit einem lautstarken „Wir schaffen das!“ schließen die Schüler schließlich ihr Stück ab und noch bevor das Licht der Scheinwerfer vollständig erloschen ist, beginnt ein tosender Beifall. Doch es klatschen nicht alle. Es ist eben eine Thematik, mit der sich jeder auf seine Art und Weise befasst und sich positioniert. Eins steht jedoch fest: Diese vierzehn Jugendlichen waren uns an diesem Abend ein Vorbild, wenn es darum geht, mutig Stellung zu beziehen und sich vor allem die Frage zu stellen, ob man die Situation überhaupt ernst genug nimmt.
Umso mehr können wir stolz darauf sein, dass diese Gruppe ebenso bei dem Wettbewerb „Schultheater der Länder 2016“ in Erfurt teilnehmen wird. Fazit: Ins Theater gehen lohnt sich also immer, auch wenn es draußen noch so heiß ist...
Von Mona Rau

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