»Illusium«

Wie weit kann man einen Menschen beeinflussen, bis man selbst der Beeinflussung erliegt?
Der Traum, den Menschen vollkommen zu steuern, zu lenken kurz zu infiltrieren, bis er gehorsam, brav und folgsam ist, ist alt. Doch wird diese Fiktion dennoch bis heute gern zum Thema von Filmen, Musikstücken und Inszenierungen genommen.
Geimpft von dieser Sehnsucht, begab sich auch der Darstellendes Spiel-Kurs der 11.Klasse des Ratsgymnasiums Wolfsburg in eine Stückentwicklung, um die Frage aller Fragen zu klären: Wie schafft man es Menschen gehörig zu machen? Die Antwort, die sie fanden, war 42. Diese Anspielung sollte nicht allein stehend bleiben, das Stück greift gern und gekonnt auf Zitate vergangener filmischer Auseinandersetzungen zurück.
Das Stück beginnt wie ein Science-Fiction Klassiker zu beginnen hat, ein Professor der alles andere als zurechnungsfähig wirkt, hat ein Mittel entwickelt, „Illusium“, mit diesem Medikament, so beschwört er mit ausufernden Gesten und abgehakter Überartikulation, wird er die dunkle Seele der Menschen heilen können. Natürlich besitzt dieses Medikament keine Nebenwirkungen, und: nein, alle Menschen können dieses Medikament natürlich nicht bekommen. Zum Zeitpunkt der Vorstellung vor dem Kongress befindet sich dieses Mittel noch in der Testphase.
Jetzt kommt die „Umbrella Coporation“ ins Spiel, natürlich nicht ausgesprochen, doch was nun folgt, erinnert stark an den „Zombie Film“ Klassiker „Resident Evil“. In Weiß gekleidete Patienten, die, so wird im weiteren Verlauf deutlich, kleinere bis schwerwiegendere Delikte zu verzeichnen haben, werden mit „Illusium“ in Kontakt gebracht und gefügig gemacht, derweilen tüfteln verrückte Professoren um die Lösung aller Fragen. Gegen Ende erlangen die Probanden die Macht zurück und wehren sich gegen die Hoheit. Die Anzahl der Toten bei diesem Kampf sind jedoch, im Gegensatz zum erwähnten Zombie-Film, überschaubar: nur einer stirbt auf dem elektrischen Stuhl, auch da springt sofort das cineastische assoziativ Gedächtnis an und man sieht Titel wie „Sin City“ oder „The Green Mile“ vor seinem geistigen Auge.
Die Inszenierung beginnt mit starken Bildern, die Spieler, willenlos wie Marionetten, werden an unsichtbaren Fäden bewegt und in Positionen gebracht, ein Pulk von Menschen säumt sich in zeitlupenartigen Bewegungen um seine Heiligkeit, den Professor. Gegen Ende nehmen diese fesselnden Momente ab, ersetzt werden sie von den überzeichnet gespielten stereotypischen Figuren. Diese geben nicht viel Preis, man kann nur leicht erahnen, was sie antreibt und aus welcher Vergangenheit ihre Monologe entstammen. Die fehlende Identifikationsmöglichkeiten mit den Charakteren und die sehr dürftig gestreuten Informationen nehmen der Inszenierung den Tiefgang. Es mangelt an Einblicken über die Sätze hinaus, die man zum Verstehen der Handlung benötigt. Was unterscheidet den ominösen Patient 42, der später auf dem elektrischen Stuhl gegrillt wird, von den Anderen. Was für eine Rolle spielt der berauschende Sand, der die identische Wirkung besitzt wie „Illusium“ selbst. Was verbirgt sich hinter dem Wärter, der sich mit der Literatur des 18 Jahrhunderts beschäftigt?
Wie diese Fragen spukt einem das Ende im Kopf herum. Wortgruppen werden stichpunktartig chorisch wiederholt, die, so gerne man auch ein Zusammenhang zum bisher Gesehen herstellen möchte, diesen einfach nicht zulassen, und wenn das Letzte, was man sieht, ein gelber Kreis ist, der eine Banane sein soll, versteht man die Welt nicht mehr. Auch ein schöner Gedanke.
Von Mathias Müller

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