»Wenn dir nichts einfällt, dann zieh‘ dich einfach aus«

Das kleine Schwarze
Dunkle Gestalten stehen bedrohlich auf der Bühne. Am vordersten Rand liegen in regelmäßigen Abständen kleine Leuchten, die an Stirnlampen erinnern. Das Licht zuckt, eine weibliche Stimme aus dem Off beschreibt ihre Gefühlswelt, die Schauspieler_innen auf der Bühne heben die Lampen auf und beleuchten kritisch ihre Körper. „But first let me take a selfie“ begleitet mit kräftigen Beat ihre Duckfaceselfieversuche. Stillstand. Die Schauspielerinnen, alle in kurzen schwarzen Kleidungsstücken, und der einzige männliche Part im Anzug, mit einem sehr hervorstechenden weißen Hemd, erörtern teilweise sehr akrobatisch ihre Instagram-Likes. Vor dem Kontext wer sie sind und wer sie nicht sind. Passend dazu erinnern die Lampen dabei an Smartphones, vor allem wenn das Licht gedämmt ist und die Schauspieler_innen ihre Gesichter beleuchten. Es wirkt als würden sie nachts vor dem Schlafen gehen auf dem Bett sitzen und sehnsüchtig auf mehr Aufmerksamkeit warten. Doch warum ist einem die Aufmerksamkeit anderer so wichtig? Warum ist unsere Gesellschaft egozentrisch und narzisstisch? Warum bin ich so? Dies fragen sich die Schüler_innen des Theodor-Heuss-Gymnasiums Wolfenbüttel. Künstlerisch und mit genau abgestimmten Bewegungen gleiten, tanzen, kämpfen und stampfen sie über die Bühne. Manche dieser Einlagen irritieren doch etwas. Warum tanzen sie alle laut und schreiend ein Maori-Tanz? Um eine Gemeinschaft zu verdeutlichen die gar nicht existiert? Um zu zeigen, dass doch alle irgendwo gleich sind? Klar dagegen ist die Szene, wo das scheinbar perfekte Paar beim Walzer versagt und die Außenstehenden sich immer mehr abwenden und sie schließlich die eben nicht perfekten Tänzer aus dem Scheinwerferlicht ziehen. Sehr schön funktioniert der Moment, wenn alle leise umherwandern, die Smartphonelichter vor ihr Gesicht halten und von einer Gitarre begleitet „Demons“ von den Imagine Dragons singen. Ein passendes Stilelement um die Gefühlswelt aller oder eben nur des Einen zu beschreiben. Allerdings schwingt trotz der sehr guten körperlichen und schauspielerischen Leistungen das Gefühl mit, inhaltlich läuft etwas schief. Zumal nur sehr wenig Gesprochenes im Gedächtnis bleibt. Zum Bespiel fällt der Satz im Stück „Jeder achtet nur auf sich selbst und nicht mehr auf seinen Nachbarn“, aber wenn ich narzisstisch bin und damit gleichzeitig total unsicher, ist es dann nicht gerade der Nachbar, auf dessen Aufmerksamkeit ich angewiesen bin? Gerade in der Schulzeit sind es natürlich auch die Fremden in den sozialen Medien, aber vor allem die Menschen mit denen ich tagtäglich zu tun habe, die mich begaffen und beurteilen ob ich „cool“ bin oder nicht. Und die Aussage, dass wir denen, die sich selbst gefunden haben und individuell sind, nacheifern und zu ihnen aufblicken, kann man ebenfalls kritisch sehen. Individuell heißt dann ja anders, anders als alle anderen. Und dann sind es doch genau alle anderen, die mich deswegen schief angucken. In der Schulzeit sind Außenseiter doch die, die anders sind. Die angeblich individuellen Stars, zu den wir aufgucken, haben vielleicht etwas mit unserer Kleidung zu tun, aber wie wir uns untereinander verhalten doch vor allem was mit unseren Mitmenschen.
Von Madita Eggers

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