»Morgen sind wir frei«

Diebischer Musiker, liebestolle Ärztin und ein stalkender Sockenfetischist
Ausgerechnet in einem Gefängnis spielt die Darbietung von "Morgen sind wir frei" des Darstellenden-Spiel-Kurses. Was zunächst als widersinnig erscheint, entpuppt sich im Laufe des Stückes als genialer Schachzug. Denn gerade dieses Setting lässt die Dialektik von Freiheit und Unfreiheit, von Schuld und Sühne, von der Freiheit der Gedanken, umgeben von unüberwindbaren Mauern, erst richtig zur Geltung kommen. Der von den Schülerinnen und Schülern selbst gewählte Schauplatz wird so zum Rahmen gesellschaftlicher und individueller Widersprüche, welche durch die Geschichten der einzelnen Figuren des Stückes aufgezeigt werden. In "Morgen sind wir frei" werden die Lebensgeschichten und Lebensfehler mehrerer Personen erzählt sowie die Gründe für ihr "Einsitzen" - manchmal auch nur andeutungsweise. Mal witzig-skurril, mal ernst und betroffen machend. Dass bei einer Länge von gut einer Stunde keine Minute Langeweile aufkommt, liegt vor allem am Spielwitz der Darstellerinnen und Darsteller. Die Jugendlichen zeichneten nicht nur ihre Figuren ideenreich, sondern entwickelten auch eine hohe Spieldynamik. Clevere Dialoge, schnelle verbale Schlagabtausche, eine gute Bühnenpräsenz und zahlreiche Überraschungsmomente hielten die Spannung über einen recht langen Handlungsbogen aufrecht. So flog auch schon mal eine Handtasche auf die Zuschauer zu, der es auszuweichen galt. Auch die abwechslungsreiche Raumnutzung - sowohl der Bühne als auch des Zuschauerbereichs - trug zur Kurzweiligkeit der Aufführung bei. Jede Figur wurde an einem anderen Ort vorgestellt oder eingeführt, z. B. ein diebischer Musiker, eine liebestolle Ärztin, die Drogen an ihren Schwarm ausgibt, eine politische Aktivistin mit Hang zur Gewalt oder ein stalkender Sockenfetischist. Besonders überzeugend wirkte dabei die Text- und Spielsicherheit der Akteurinnen und Akteure, welche fließende Übergänge innerhalb und zwischen den einzelnen Episoden sicherstellten. Manche erkennbare Nervosität der jungen Darstellerinnen und Darsteller wurde dabei einfach "weggespielt", was die Leistung der Beteiligten unterstreicht. Das ausgesprochen große Ensemble zeigte sich durchweg als perfekt eingespieltes Team, welches sich am Ende zu Recht einen lauten Applaus der Zuschauenden verdiente.
Von Kolja Frey

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