»Gestrandet«

Ein kleines gelbes Floß
Taschenlampen auf einer dunklen Bühne, chorische Verdammnis sowie ein Unhappy Ending, das dem Ganzen eine sehr eindrucksvolle Düsterkeit verleiht. Die Grundaufstellung der Inszenierung Gestrandet des elften Jahrgangs des Justus-Spiegelberg-Gymnasiums Vechelde ist aus zahlreichen Filmen, Büchern und nicht zuletzt der Fernsehserie Lost bekannt.

Eine einsame Insel. Dazu bedarf es nicht mehr als drei Pflanzen in Blumentöpfen. Zwölf gestrandete Charaktere, die während des Einlasses bereits auf der Bühne verstreut liegen, scheinbar nicht bei Bewusstsein. Neben ihnen befinden sich zwei Koffer, aus denen die Kleidungsstücke bereits herausgefallen sind. Eröffnet wird die Inszenierung durch eine Lautsprecherstimme, welche von einem Flugzeugabsturz berichtet.
Anschließend wachen die Charaktere nacheinander auf und stellen sich neben den Fragen „Wo bin ich, was ist hier los?“ zudem individuelle Fragen, die ihren Charakter beschreiben. So fragen sich die eitlen Mädels sofort „Gibt’s hier Internet?“, während der intelligente Schachfanatiker an seinen nächsten Schachzug denkt. Die Gruppe lernt sich kennen, Freunde finden einander wieder. Manche sind verletzt, andere lediglich genervt. Schnell treffen die Gestrandeten auf Einwohner der Insel. Auch diese sind einst dort gestrandet, tragen zerrissenen Klamotten und haben schmutzige Gesichter. Sofort bedrohen sie die Eindringlinge mit selbstangefertigten Holzspeeren – ein Konflikt, der allerdings schnell entschärft wird. Das ist schade. Zwar tauchen immer wieder vielversprechende Konflikte auf, jedoch scheinen sich diese sehr schnell wieder in Luft aufzulösen. So fällt der Spannungsbogen eher flach aus.
Die Einwohner stellen sich als freundlicher heraus als vorerst erwartet, laden die Gestrandeten sogar zum gemeinsamen Essen ein. Beim Beisammensitzen entsteht eine Idee im Kopf der Neuen: „Wir bauen ein Floß – nein – ein Flugzeug!“ Während die Neuen hochmotiviert sind, hat die ältere Gruppe bereits alle Hoffnung aufgegeben: „Ein Flugzeug, seid ihr jetzt total bescheuert?“ Doch der Größenwahnsinn zerbricht schnell wieder. Zuletzt wird doch ein Floß gebaut. Dieses wird durch eine gelbe, dünne auf dem Boden liegende Wolldecke dargestellt. Das nächste Problem folgt: Das Floß ist zu klein. Nicht jeder kann mitkommen. Es entsteht eine Streitszene, in der alle rechtfertigen wollen, weshalb gerade sie mitkommen sollten, oder, weshalb andere auf keinen Fall mitdürfen. Eine Szene, die durch das chorische Sprechen der SpielerInnen an Stärke gewinnt: „Du – kommst – nicht – mit!“ Es bildet sich eine Gruppe der Gestrandeten, welche beschließt, heimlich in der Nacht mit dem Floß zu fliehen. Mit Taschenlampen ausgestattet, schleicht diese Gruppe hintereinander über die komplett dunkle Bühne, um ihr Vorhaben durchzuführen. Zwar gelingt es ihnen, das kleine gelbe Floß zu stehlen, ein aufkommender Regensturm führt jedoch zum Kentern des Floßes. Begleitet wird diese Szene von Regen- und Donnergeräuschen.

Es folgt ein Zeitsprung: Die einzige Überlebende wird durch einen Radiobericht an den Absturz und das Kentern erinnert. Es entstehen Schuldgefühle, ihre Mitmenschen auf der Insel zurückgelassen zu haben, sowie die Frage, ob denn alle anderen tot seien. Als Antwort auf diese Frage, stellen sich nun alle weiteren SpielerInnen hinter der Überlebenden auf und sinken zeitgleich zu Boden. Eine starke Endszene, doch es bleibt die Frage: Was fügt dieser Abend Neues zur altbekannten Strandungsgeschichte hinzu?
Von Denise Frerichs

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