»Hexen hexen«

Hexen fahren Porsche
So sehen heute Großmütter aus: Graue lockige Perücke, schwarze Lederjacke und Lederstiefel – und in Wirklichkeit elf Jahre alt. Zigarre rauchend sitzt sie dort, neben ihr eine Getränkedose. Im Hintergrund lehnen ein Besen und ein spitzer Hut. Es ist klar: Hier geht‘s um Hexen. Hexen hexen ist nicht nur ein Roman von Roald Dahl, sondern auch ein bekannter Kinofilm. Heute ist er die Vorlage für eine Theaterinszenierung des Theodor-Heuss-Gymnasiums Göttingen. Musik ertönt. Die Hexen stürmen die Bühne. Bekleidet mit roten und schwarzen Umhängen, schwarzen und pinken Perücken sowie extravaganten Kopfbedeckungen tanzen sie mit ihren Besen über die Bühne. Im Hintergrund ist Hexenlachen zu hören. Als Kontrast zu diesem wilden Tanz dient die Großmutter, die gemütlich an ihrer Zigarre zieht und sich nicht stören lässt.
Nachdem die Hexen verschwinden, erscheint die Enkeltochter in Bademantel und Schlafanzughose und setzt sich mit zwei Plüschmäusen zu ihrer Großmutter. Diese beginnt nun, die Kleine vor bösen Hexen zu warnen. Am wichtigsten sei es, zu wissen, woran man Hexen erkenne. Nämlich nicht am Besen oder an den spitzen Hüten, nein. „So einfach ist das nicht.“ Die meisten Hexen seien ganz „normal“, verstecken sich hinter gewöhnlichen Berufen. Viele tarnen sich als Lehrerinnen. Sie tragen Perücken, Handschuhe und große Schuhe. „Sei immer wachsam“, rät sie der Enkeltochter. „Früher hatten Hexen Besen, heute fahr’n sie Porsche.“
Es stellt sich die Frage, wie ein ganzer Roman in ein 40-minütiges Theaterstück verpackt wird, ohne gequetscht zu erscheinen. Doch es funktioniert. Eine plötzliche Lungenentzündung verschlägt die Großmutter zur Genesung auf ein Kreuzfahrtschiff. Die Enkelin darf selbstverständlich mitkommen. Dort belauscht sie zufällig eine Frauengruppe, die sich als getarnte Hexengemeinschaft herausstellt. Eine sehr ironische Situation, wenn die Fünftklässlerinnen angeekelt Sätze rufen wie: „Kinder riechen nach Hundekötteln.“ Eine Aussage, die die Enkeltochter beleidigt, da sie doch gerade erst gebadet hat. Die Hexen haben einen Plan: Sie wollen alle Kinder Englands in Mäuse verwandeln. Hierfür haben sie einen Zaubertrank hergestellt, der den Kindern bloß noch verabreicht werden muss. Getestet wird der Trank an einem weiteren Mädchen, Berta. Die Verwandlung erfolgt auf der Bühne. Berta setzt sich einen Haarreif mit Mäuseohren auf und holt einen versteckten Mäuseschwanz hervor. Ein simpler Vorgang, begleitet vom Herunterzählen der Hexen. Auch die Enkeltochter ist nicht sicher. Sie wird von den Hexen gefunden und ebenfalls verwandelt.
Die Großmutter reagiert sehr trocken auf die Mäusegestalt der Enkeltochter. Und auch die beiden Mädchen stellen fest: So schlimm ist es gar nicht, eine Maus zu sein. Sie sind die ganze Zeit in Bewegung, laufen schnell auf der Stelle und freuen sich darüber, wie leicht es für Mäuse ist, Essen aus der Küche zu klauen. So ist Berta selten ohne Essen zu sehen. Doch trotz der Euphorie ist ihnen klar, dass sie die Kinder Englands vor den Hexen retten müssen. Gemeinsam mit der Großmutter entwickeln sie die Idee, das Mäuse-Serum den Hexen selbst zu verabreichen. Dies gelingt. Beim Abendessen mischen sie den Zaubertrank in die Suppe der Hexen, woraufhin sich diese kurzerhand ihre Mäuseohren aufsetzen und sich somit verwandeln.
Unterbrochen wird die Handlung immer wieder durch kurze Sketche, welche sich rund um Hexen drehen. Die Kinder scheinen hierbei so viel Spaß zu haben, dass es scheint, als haben sie sich die kurzen Szenen selbst ausgedacht. Sie zeigen großen Spaß am Spielen und scheinen sich in ihren ausgefallenen Kostümen sehr wohl zu fühlen. Zu passender Musik wie der Melodie aus der Sendung mit der Maus tanzen sie über die Bühne, ob nun als Mäuse oder Hexen verkleidet. Oft wirkt es als würde man die Kinder einfach spielen lassen wie es ihnen Spaß macht – und es funktioniert wunderbar. Immer wieder werden Witze eingebaut, wenn sich die eigentlich selbst noch junge Großmutter über die Jugend von heute aufregt oder ihrer Enkelin die Zigarre anbietet, egal ob diese nun ein Mädchen oder eine Maus ist. „Wenn du Zigarre rauchst, kriegst du keine Erkältung.“ Ist ja schließlich auch für Mäuse wichtig. Auch eine kurze Publikumsinteraktion („Haben Sie Feuer?“) darf nicht ausbleiben. Eine Inszenierung, mit der letztendlich nicht die Kinder Englands verzaubert werden, sondern das Publikum.
Von Denise Frerichs

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