»Westkreuz«

Ist es schön, jung zu sein?
Eine Leinwand wird zum Bühnenrand getragen, mit Musik unterlegte Filmaufnahmen zeigen eine junge Ballettänzerin bei Tanzübungen. Nach wenigen Minuten stoppt der Film und eine weitere, nun reale Ballettänzerin stellt sich vor die Leinwand, um zu schildern, dass es sich im Film um ihre Mutter handle, die ihr Leben so sehr mit dem Tanzen verbracht habe, dass nie Zeit für ihr Kind geblieben sei.
Was sich in der Anfangsszene vielversprechend als tiefgehende Aufarbeitung einer negativ geprägten Kindheit anbahnt und was von dem DS-Kurs der IGS Franzsches Feld Braunschweig mit der Leitfrage „Ist es schön, jung zu sein?“ versehen wird, gestaltet sich in den folgenden neunzig Minuten als ein undurchdringbares Geflecht aus verschiedenen, wenig komplex gezeichneten Charakteren, wirr skizzierten Parallelschauplätzen und schwer miteinander in Verbindung zu bringenden Szenenabfolgen.
Das Stück nimmt sich viel vor. Man will von wilden Partys erzählen, vom Mobbing in der Schule, von Drogenerfahrungen, neuen Partnern der Eltern, von Missbrauchserinnerungen. Auch von der Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung. Das Bestreben ist löblich. Die Umsetzung schafft es allerdings nicht, die Motive auch Position beziehen zu lassen. Dazu müsste zunächst einmal deutlich werden, wem was geschieht und wer wie darauf reagiert. Der Zuschauer gibt es spätestens dann auf, einen klaren Handlungsstrang zu suchen, wenn zum zehnten Mal der Wikinger auftritt, der ohrenbetäubend nach „Odin“ brüllt. Dass dieser sich auf seiner Suche nach der Gottheit mit einem Zauberer anfreundet, der sich seinerseits auf steter Jagd nach seinem Zauberumhang befindet, erleichtert die Sinnfrage wenig. So laufen die Szenen vor sich hin. Party, Odin, Sex, Drogen, Odin, Mobbing. Die DarstellerInnen tragen das Stück mit Spielfreude. Schade ist, dass sich einzelne Sprechakte überlagern und somit kaum wahrzunehmen sind.
Zu Lichtblicken werden einzelne starke Rollen, wie die der Mia, die in der Eingangs- und Schlussszene mit starkem Minenspiel und voller Körperspannung nach der Mutter sucht. Auch finden sich aussagekräftige Bilder, wenn die Figuren in Schattenspielen Unterhaltungen führen oder tanzen.
Die Frage, ob es schön ist, jung zu sein, vermag der Zuschauer am Ende des Stückes nicht zu beantworten. Aber es ist zu hoffen, dass die Inszenierung den durchaus engagierten DarstellerInnen etwas auf Ihren Weg ins Erwachsenwerden mitgegeben hat.
Von Ines Bürvenich

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