»Boarding Time«

Lost boys like me are free…
Mit der rot weißen Boardingkarte in der Hand geht es vorbei an einer Stewardess und einem Steward zum Sitzplatz. „Boarding completed“ schallt es über die Bühne. Eine Stimme aus dem Off heißt einen zum Flug DSP 11 willkommen. Nachdem eine aufrechte Sitzposition angenommen wurde und alle elektronischen Geräte verstummt sind, kann die Reise beginnen. Eine Reise ins Ungewisse. Im Scheinwerferlicht sitzt ein junger Mann an einem Tisch grübelnd vor dem Laptop. Mehrere Stimmen aus dem Off erzählen währenddessen, was Reisen für sie bedeutet: „Ausschlafen“ oder „andere Kulturen kennenlernen.“ Die Stimmen verstummen. Der Grübelnde wird mehrfach von immer jeweils zwei Spielenden unterbrochen. Mit Denkanstößen wie „ Ach ein romantischer Urlaub mit Caro das wärs doch.“ und „nein denk an deine Jungs, Bierpong auf Malle ist nur einmal im Jahr“ verwirren sie den Suchenden nur noch mehr. Energisch wird der Laptop zu geklappt, der Tisch verschwindet und mehrere Reisende mit Koffern und Rucksäcken irren über die Bühne. Wieder Off –Stimmen, die „Ich packe meinen Koffer“ spielen. „Ich nehme mit mein Handy, meine Zahnbürste, mein Macker“ und so weiter, alle Gegenstände werden nochmal lautlich untermalt. Action. Alle Spielenden begeben sich rechts und links zu den am Rand hintereinander aufgereihten Stühlen. Trugen sie vorher nur weiße Hemden und schwarze Hosen, verwandeln sie sich jetzt mit schwarzem Blazern und eleganten Halstüchern in Stewards und Stewardessen. Showauftritt des Piloten. Gekennzeichnet durch eine Pilotenbrille schlendert er lässig und mit selbstgefälligem Grinsen als erster zur Mitte der Bühne. Die anderen Folgen mit typisch aufgesetztem Stewardesslächeln. Es folgt die allgemein bekannte Sicherheitseinweisung. Doch diese wird tänzerisch und synchron ausgeführt und ist einfach nur genial, vor allem dann, wenn alle ihre Köpfe nach rechts und links drehen um ihre imaginären Schwimmwesten aufzupusten. Immer mit dabei das breite unsympathische Lächeln. Diese Einlage wird mehrfach wiederholt und beginnt immer mit dem Machoauftritt des Piloten. Diese Szene bzw. die ganze Inszenierung zeigt, dass Reisen etwas Subjektives ist. Ist Fliegen für manche Freiheit, ist es für Stewarddessen und Stewards Berufsalltag, wo sie tagtäglich dasselbe machen müssen. Und bedeutet Reisen immer gleich wegfahren oder ist allein der Weg zur netten Bäckerin schon eine Reise? Mit vielen Passagierraum Szenen, die gekonnt humorvoll gespielt werden, sorgen die Schüler_innen des Gymnasiums im Schloss Wolfenbüttel dafür, dass sich jeder, der schon einmal geflogen ist, mit den Charakteren identifizieren kann. Etwa mit dem genervten Fluggast, dessen Nachbar die Dreistigkeit besitzt, den Sitz seiner Mütze zu korrigieren, aber auch mit der Frau, die sich immer selbst beruhigen muss, dass alles gut gehen wird. Der Sprung von lustigen zu ernsten Szenen funktioniert: Gerade lacht man noch über die Taxifahrerin, die verspricht 20 km in fünf Minuten zu schaffen, um gleich darauf den Worten eines Briefes zu lauschen, der von der Reisenden im Taxi vorgelesen wird: „Hallo Unbekannter, hast du dich schon mal gefragt, wer hier vor dir schon alles saß?“ Ebenso bedächtig lauscht man der Gesangs- und Klaviereinlage der Spielenden. Im Scheinwerferlicht steht eine verloren wirkende Person mit Rucksack und Koffer, und die Leute um sie herum singen leise, aber bestimmt „Lost Boy.“ Eine sehr gute, humorvolle, aber eben auch ernste Performance aller Beteiligten, die engagiert auf einander achten und so die Einsätze perfekt machen.
Von Madita Eggers

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