»1984«

Big Brother is watching you!
Betritt man den Saal, sitzt man 11 Schülerinnen und Schülern des 12. Jahrganges der CJD Christophorusschule gegenüber. Sie stehen uniformiert als Masse da und blicken mit großen Augen, die auf Masken abgedruckt sind, auf das Publikum.
Beobachtung. Kontrollierende Blicke!
Auch von den Augen auf Wänden und Stühlen. Manch einer mag sich gar nicht auf diese setzen. Auch der Sitzbereich der von der Kamera live als Projektion auf die Leinwand gespielt wird, wird von manch einem Zuschauer als eher unangenehm empfunden und gemieden.
Big Brother is watching you!
Diese Atmosphäre wird direkt zu Beginn aufgebaut und über die gesamte Szenerie fortgeführt. Das Stück 1984 besticht durch seine Kurzweiligkeit von 25 Minuten und vermittelt doch die Aspekte der düsteren Dystopie von George Orwell. Das Wohlergehen aller steht im Zentrum des parteilichen Interesses, schützt vor Schwächen und sorgt für Fortschritt. Die Macht der Partei wird über Pulkformationen und einzelne Individuen stark körperlich auf die Bühne gebracht. Über einzelne Revolutionsversuche wird die Hilflosigkeit von Systemgegnern klar. Gedankenverräter werden angezeigt, unter Druck gesetzt, gefoltert und schlussendlich eliminiert.
Besonders beeindruckend sticht hier eine Szene hervor, in der sich ein Gefangener die Haare abrasieren lassen muss, um die Konsequenz eines totalitären Systems zu zeigen. Für einen noch prägenderen Eindruck hätte diese Szene auch gerne weiter ausgespielt werden können!
Eine Reihe von Gestaltungsmitteln kam zum Einsatz. Über die Projektionen von Gesichtern des totalitären Staates, Live-Videoübertragungen aus dem hinteren Bühnenbereich, zu Schattenspielen, chorischem Sprechen und Bewegungen, stimmungsvollem Musikeinsatz bis hin zu tänzerischen Choreografien wurden dem Zuschauer eindrucksvoll und doch minimalistisch an Requisiten die Bestandteile der Dystopie 1984 verdeutlicht.
Einzelne chorische Bewegungen und Choreografien hätten für den Zuschauer besser synchronisiert gespielt werden können und auch die Technik in Ton und Projektion wies ein paar stockende Momente auf, die den Betrachter aus der Wirkung des Systems herausholten. Eine durchgehende körperliche Präsenz und Spannung konnte nicht von jedem Spieler durchgehend halten, dies wäre für die Verdeutlichung der kalten, skrupellosen Masse des Systems aber hilfreich gewesen.
Trotz punktueller Verbesserungsmöglichkeiten konnte dieser Prüfungskurs, auch Orwell-Neulingen, einen spannenden und eindrucksvollen Einblick in die Thematik eines Überwachungsstaates mit vielen Leerstellen für eigene Interpretationsfreiheiten bieten, der nicht nur 1948, sondern auch gerade heute mit Blick auf Fake News und systematische Beeinflussungen über Social Media Kanäle noch hoch aktuell ist.
Von Franziska Teine

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