»Carmen, Carmen, Carmen«

Carmen im Kleinen Haus!
Nein, keine Vorschau auf kommende Theaterereignisse auf dem Burgplatz, sondern Schülertheater!
Nicht weniger als fünf Arbeitsgemeinschaften des Lessinggymnasiums Braunschweig taten sich für ein besonderes Theaterprojekt mit mehr als 60 Bühnenaktiven zusammen: eine komprimierte Bühnenversion nach der berühmtesten Oper von George Bizet. Ein großes und sicherlich nicht einfaches Unterfangen.
Erzählt wird originalgetreu und in knapperer Form die bekannte Story von der emanzipierten Zigeunerin Carmen, welche nicht nur zunächst den Soldaten José bezirzt, sondern auch den Torrero Escamillo. Es entspinnt sich ein Spiel um Liebe, Eifersucht, Freiheit, Rache und Tod.
Ein karges Bühnenbild. Zu Beginn eine verkürzte Version der Ouvertüre, gespielt von der gut gestimmten Big Band AG des Lessinggymnasiums. Zu dieser halten drei Schülerinnen als Flamenco-Tänzerinnen mit ihren Fächer tapfer ein minutenlanges Freeze.
Direkt darauf sorgen die Schülerinnen der Flamenco-AG mit ihrer ersten von zahlreichen Einlagen für spanisches Flair. Freilich kommt diesmal Musik und Gesang vom Band.
In den darauf folgenden Monologen und Dialogen sprechen die Schülerinnen und Schüler klar und deutlich, verhalten sich spielerisch eher unbewegt und unbewegend. Ambitioniert das zweimalige Singen der berühmten „Habanera“-Arie durch die Carmen-Darstellerin.
Videoprojektionen und einzelne Requisiten deuten die verschiedenen Spielräume an: ein Lagerfeuer, die Gefängniszelle des José, ein Platz in Sevilla. Nur macht eine Zigarrenkiste und in Grüppchen sitzende Spieler/innen nicht unbedingt eine Zigarrenfabrik oder eine spanische Plaza aus. Hier und andernorts hätte die Chance genutzt werden können, die Räume auch spielerisch auszugestalten.
Ein toller Einfall: das Duell zwischen José und einem seiner Kontrahenten wird stellvertretend von zwei Flamenco-Tänzern ausgetragen, während der Postkutschenüberfall dem Publikum per Hörspiel präsentiert wird: „Haha, geschafft!“
Die Chor-AG, bestehend aus den jüngsten Schülerinnen und Schülern, erhält ihren großen, raumerobernden Auftritt mit „Auf in den Kampf, Torrero“. In der Mehrstimmigkeit ein wenig wackelnd, aber in der Inszenierung eindeutig ein belebendes Element.
Weiterhin gut die simple Darstellung der Stierkampfarena bei der Corrida, welche allerdings durch einen schlicht angetippten, sehr schnell sterbenden Pappstier beendet wird. Die Arena wird samt Stier nach draußen getragen. Auch einige andere spannende Handlungselemente wie die Verletzung einer Frau durch Carmen und vor allem die finale Ermordung Carmens durch die Hand Josés geraten etwas gehetzt und gehen ein wenig unter.
Dass dieses sicherlich schwer zu händelnde Großprojekt noch nicht oft zur Aufführung gelangt ist, bemerkt man rasch an den sehr behäbigen und mühsamen Übergängen zwischen den Szenen.
Bleiben zum Abschluss die Fragen: warum die „Carmen“-Oper im Schultheater? Welche Bezugspunkte haben die spielenden, tanzenden und musizierenden Schülerinnen und Schüler zu dieser berühmten Milieustudie aus dem 19. Jahrhundert? Und wo ließen sich diese in der gesehenen Inszenierung finden?
Von Matthias Geginat

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