»Wann, Pan?«

Das Chaos des Erwachsenwerdens
25 Schüler*innen liegen schlafend auf der schwach beleuchteten Bühne. Auf der Bühne befinden sich zwei Gerüste und den Hintergrund ziert eine große Uhr, die halb zwei zeigt. Die Szenenfläche ist bedeckt mit Papier.
Aus Lautsprechern dringen erwachsene Stimmen in das Publikum.
Sie sprechen davon, dass sie eigentlich nie Kinder wollten, oder nur, um im Alter abgesichert zu sein, natürlich sprechen sie auch davon, wie schön es ist Kinder zu haben. Alles liebevoll.
Danach wird es wild, zu treibendem Indie wird getanzt, gepogt und sich mit Papier beworfen. Ein wildes Durcheinander entsteht auf der Bühne, das in der großen Frage mündet, wann habt ihr euch zum ersten Mal erwachsen gefühlt. Es fallen antworten wie „als ich zum ersten Mal auf meinen Bruder aufgepasst habe“, „als ich gemerkt habe, dass ich Brüste bekomme“ oder „als ich mich zum ersten Mal nicht mehr an letzte Nacht erinnern konnte“.
Aus dem Biographischen geht es zum Roman. Mit einem Buch in der Hand verliest eine Spielerin Passagen aus der Geschichte.
Die Geschichte um Peter Pan wird sehr bildstark inszeniert. Viele Choreographien und Tanzsequenzen folgen aufeinander. Ab und an kann man sich in einem konkreten Bild verlieren. Wie, als Peter den Anderen das Fliegen beibringt. „Habt einfach wunderschöne Gedanken, die heben euch in die Luft!“ - und plötzlich können alle fliegen. Mit ausgebreiteten Armen laufen sie über die Bühne - im Hintergrund regnet es goldenes Konfetti.
Die Fantasie in allen Ehren, doch eine Fantasie-Welt hat auch Schwachstellen, wissen auch die Spieler*innen, zum Beispiel macht Fantasie-Essen nicht satt. Deshalb zurück zur Realität. An einem Mikro stellen einzelne Spieler*innen ihr persönliches Nimmerland vor. Zwischendurch gibt es Flachwitzschlachten mit den Namen von Pan, Hook oder Wendy. Dann wieder zurück zu Peter Pan mit einem Dance-Battle zwischen Wendy und Tinker Bell. Die Art und Weise der Szenenfolge erlaubt es dem Publikum selten in einem Bild zu verweilen und einzutauchen. Obwohl das Bühnenbild und die Lichtstimmung häufig dazu einladen sich in ein Nimmerland hinein zu fantasieren, bricht die Inszenierung die Ruhe beständig.

Das Stück setzt sehr gut bei den einzelnen Schüler*innen an. Die Überforderungen des Erwachsenwerdens, die Angst vor der Zukunft und die manchmal aufkommende Sehnsucht danach, wieder ein unbeschwertes Kind zu sein, spiegeln sich in der finalen Ballade, die poppig und mit vielen ehrlichen Gedanken das Publikum in den Abend entlässt.
Außerdem ist die jugendliche Unentschiedenheit - der Drang am liebsten alles auf einmal zu machen und zwar sofort - dem Stück anzusehen.
Die Inszenierung wirkt wie mein Jugendzimmer als ich meine erste Freundin hatte und Feiern gehen für mich entdeckt habe, unordentlich aber ehrlich.
Von Matthias Müller

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