»Lippen so rot wie Blut...«

„Der König ist tot - lang lebe der König!“
Im Reich der Märchenfiguren herrscht Schneewittchen die Erste gebieterisch und gewaltsam über ihre Untertanen. Alles hört auf ihr Kommando. Ihre Befehle werden befolgt. Wer nicht gehorcht und nicht dem Willen der Königin folgt, wird von ihren treu ergebenen Soldaten erpresst, gefoltert oder auf der Stelle hingerichtet. Selbst das tapfere Schneiderlein, „der Tapferste unter ihnen“, erliegt den Drohungen der Königin. Doch Schneewittchens Machtposition ist in Gefahr. Eine Revolte bahnt sich an. Aschenputtel will ihr den Thron streitig machen und auch der Jäger will an die Macht. Sie versprechen dem Volk, dass unter ihrer Regentschaft alles besser wird. Doch schnell wird deutlich: Auch ihnen geht es einzig um die Gewalt der Macht, getreu dem Motto „Der König ist tot – lang lebe der König!“

Ausgangspunkt der Theater AG der Emil Langen Realschule Salzgitter war die Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex „Macht und Diktatur“. So mag es auf den ersten Blick zwar überraschen, dass der Erarbeitungsprozess zu den Klassikern der Deutschen Märchenliteratur führte, in der Inszenierung wird aber klar: Die zentralen Figuren der Grimmschen Märchen sind in der Tat grausam, brutal, machtbesessen und intrigant – auch wenn die Disneyversionen einen dies oft vergessen lassen. Und also muss das Publikum es ertragen, dass die Soldaten kaltblütig die Zwerge erschießen, ihre Gewehre auf die Kinder richten und das tapfere Schneiderlein brutal in ihrer Gewalt halten. Dies alles geschieht in einer dichten, düsteren und zuweilen skurrilen Atmosphäre, wenn beispielsweise Schneewittchen im Original-Disney-Kostüm zur Musik von Rammstein ihre Macht demonstriert oder sie einen höchst-theatralischen Tod vortäuscht, um ihre Rivalen zu entlarven.
Die Schülerinnen und Schüler tragen die Atmosphäre bis zum Schluss durch sein sehr präsentes Spiel und durch ausdrucksstark gesprochene Texte. Diese Ausgestaltung der Texte hätte man sich auch für die Texte des Erzählers gewünscht, der die Handlung aus dem Off in den etwas zu häufig genutzten Blacks immer wieder zusammenfasst. Der Spielfreude der Spieler ist es zu danken, dass diese Momente der Gesamtästhetik keinen Abbruch taten.
Es bleibt die Frage, warum am Ende doch das Schneewittchen wieder auf dem Thron landet und alles so weiter läuft wie bisher? Genug Energie für eine echte Revolte hätten die Untertanen sicher gehabt und es wäre schön gewesen, die Blickpunkte der Schülerinnen und Schüler auf mögliche Gesellschaftsformen zu erfahren.
Von Lisa Degenhardt

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