»Schneewittchen und die acht Zwerge – ein regionales Märchen«

Efeu, Fliegenpilze und eine Prise Schülerwitz
Ein Erzähler betritt die liebevoll und detailliert ausgestattete Bühne. Königin und König nehmen vornehm Platz. Eine als Trompete getarnte Blockflöte lässt eine Fanfare erklingen: Tätärätä! Oder eher: Tüdlüdldü! Gespannt lauscht das Publikum der bekannten Geschichte. Aber hoppla – Was haben die Türme des VW-Werks denn hier zu suchen? Und das DRK, das schnell angerannt kommt um die Babypuppe, die später Schneewittchen sein wird zu entbinden?
Schneewittchen und die acht Zwerge erzählt das bekannte Märchen mit regionalen Anspielungen und Bezügen zur eigenen Lebenswelt. So geht der König voller Trauer um seine einzigartige Frau erst einmal ins Schloss, genauer „die Schlossarkaden zu Braunschweig“ und lernt vor Kummer zerfließend, auf der Suche nach Taschentüchern seine neue Gattin im dm kennen. Jene böse Stiefmutter reagiert jedes Mal wutentbrannt, wenn der Spiegel von Schneewittchen erzählt. Sie schmiedet daher ihre teuflischen Pläne, die sie jedes Mal mit einem eindrucksvollen diabolischen Lachen beschließt. Herz und Leber, die die Jäger, dem dramatisch erlegten Stofftierfrischling entnehmen, wurden kurzerhand aus der schuleigenen Biologiesammlung geborgt. Voller Gier kommentiert die böse Stiefmutter ihren vermeintlichen Sieg über ihre Stieftochter: „Dieses Herz und diese Leber werden mir noch besser schmecken als die VW-Currywurst.“ Die acht Zwerge - VW-Schichtarbeiter - entdecken Schneewittchen im Kofferraum des brandneuen Modells der letzten Automobilserie und reagieren mit einem chorischen Schrecken beim Anblick dieses Menschen, einer Spezies, die es doch nur im Märchen gibt und nun in ihrem selbst gebastelten rosa Einhornflitzer sitzt. Sympathisch kommentieren diese ausdifferenzierten Figuren Schneewittchens Blödheit, zum wiederholten Male auf ihre Stiefmutter reinzufallen. Die Vergiftung durch den „bio-vegan-naturtrüben Apfelsaft im Tetrapack“ (von dm) erscheint zunächst ausweglos, bis „Mr. Bombastik“ auftaucht. Zu schwach, seine Geliebte wegzuziehen, lässt er sich von einem Zwerg helfen, der den rettenden Ruck auslöst.
Neben den charmanten Anspielungen überzeugt vor allem die humorvolle Spielweise der Schüler. Sie erzeugen jenen Klamauk, der gerade im Schultheater das Publikum in den Bann ziehen kann. Durch ihre Verfremdungseffekte zeigen die Schülerinnen und Schüler ihre ironische Spielhaltung - sie laden das Publikum ein, ihre Perspektive auf das Märchen - vielleicht auch auf Theater überhaupt - mit zu erleben. Dafür hat sich die Hilfe der vielen Mitwirkenden doch wirklich gelohnt.
Von Sebastian Schrader

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