»Non scholae, sed vitae ludimus!«

Nicht für die Schule, für das Leben spielen wir!
Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Schule auf die Bühne zu bringen, ist ein großes Ziel. Dessen hat sich die Theater-AG des Gymnasiums Große Schule Wolfenbüttel angenommen.
Es gibt während des Stückes zwei Schüler_innen, die immer wieder in Jacketts vorne an der Bühne stehen und die Zuschauer_innen durch das Stück führen. Sie stellen immer wieder Fragen, die durch alle Schüler_innen im Spiel “beantwortet” werden. Zwischen “We don´t need no education” von Pink Floyd, der von den Schüler_innen kraftvoll den Zuschauer_innen entgegengeschleudert wird, bis zu lateinischen Deklinationen, bei denen ich in dem Moment bedaure, dass ich in der Schule nie Latein gelernt habe, geht es um die Frage, wie in der Schule gelernt wird.
Eine Gegenüberstellung von der “alten Schule”, in der alle Schüler_innen Uniform tragen müssen, ihre Hände ordentlich auf den Tisch legen, die Füße zusammen eng und flach auf den Boden stellen müssen, zu dem heutigen Bild von Schüler_innen, die während des Unterrichts auf die Toilette dürfen, sich ständig mit dem Handy selbst portraitieren und ausdauernd Kaugummi kauen, der anschließend von der Lehrkraft mit dem Mülleimer eingesammelt wird. Dem Kaugummi wird auch noch ein Loblied gesungen. In einem bunten Lichtermeer tanzen die Kinder ausgelassen zu einem Lied über den Kaugummi. Anschließend stellen sich zwei Mädchen nach vorne, ins Licht und sagen: ”Purina lem fresh”, wobei einer der Zuschauer hinter mir in die Dunkelheit fragt; was heißt das?
Dabei bleibt leider unklar, welche Haltung die Schüler_innen zu der “alten Schule”, bzw. zu der “neuen Schule” haben, da eine konkrete Auseinandersetzung damit fehlt. Eher wird gezeigt, wie es war und wie es ist. Darüber hinaus fehlt es noch etwas an Tiefe.
In einem Mathe-Battle werden die Fertigkeiten der “alten Schule” gegenüber der “neuen Schule” getestet. Wobei der Schüler, der für die neue Schule angetreten ist, kläglich verliert. Die letzte Frage konnten beide Parteien nicht beantworten. Im Anschluss wird er zur Strafe mit einem Eselskopf versehen in einen Spotlight gesetzt. Dort sitzt er zuerst traurig, alle buhen ihn aus. Irgendwann nimmt er die Maske vom Kopf, nimmt einen Luftballon aus der Hosentasche, den er aufbläst und seinem Gegner in die Hand drückt, ihn beglückwünscht und noch einmal das richtige letzte Ergebnis verrät. Hier ist ein kleiner Moment, der noch stärker ausgebaut sein könnte, um deutlich zu machen, wie die Schüler_innen die aktuelle Schulform finden. Es ist außerdem unklar, um welche Schulform es sich bei der modernen handelt, da es inzwischen nicht mehr nur ein Modell gibt, sondern eine Variation und Vielfalt an möglichen Unterrichtsformen.
Der Zauberlehrling kommt hinter dem Vorhang hervor, mit zwei Flaschen, in denen verschiedenfarbige Flüssigkeiten sind. Gleichzeitig wird mit einer Nebelmaschine von rechts Nebel auf die Bühne geblasen. Dazu wird über Audio ein der Text des “Zauberlehrlings” abgespielt. Die Schüler_innen sprechen den Text mit und schwingen dazu rhythmisch ihre Besen über dem Chemie-Tisch, in der Mitte der Bühne.
Nach einem Kampf mit den Besen um einen gelben Fußball, der plötzlich auf der Bühne liegt, nachdem der Chemie-Tisch wieder hinter dem Vorhang verschwunden ist, soll ein Fußballspiel gespielt werden. Dafür tritt ein Schüler in Trainingskleidung aus dem Vorhang hervor und markiert mit einem Klebeband zwei Spielfelder. Er legt in die Mitte des Feldes den gelben Ball. Die Schüler kreischen und schreien und die uniformierten “älteren” Schüler_innen verstehen sich scheinbar doch blendend mit der “neuen” Generation von Schüler_innen. Nach dem Spiel posieren sie noch in der Mitte für ein Foto.
Während des Stückes hat es immer wieder stroboskopartige Lichtblitze gegeben, bei denen ich keinen Zusammenhang zum Stück erkennen konnte. Falls es sich hierbei um Elemente gehandelt hat, die nicht zum Bühnenstück gehören sollten, ist den Spielleitern noch Einiges unbewusst, im Bezug auf ein Handeln auf der Bühne. Bei manchen Bewegungen der Schüler_innen war mir nicht klar, ob sich diese klar darüber waren, dass sie sich gerade auf einer Bühne befinden, da sie kaum Präsenz zeigten.
Schade ist, dass das Potential des Stückes, das ergiebige Thema “Lernen früher und heute”, wenig ausreichend genutzt wurde. Man merkt deutlich, dass sich viele Schüler_innen an ganz vielen Stellen noch sehr unsicher sind, was versucht wird, mit lautem Geschrei und Rumgehopse, mit bunten Partylichtern und lauter Musik zu verdecken. Ein anderer Ort wäre passender für das Stück gewesen.
Vielmehr könnte ich mir das gezeigte z.B. bei einem Sport- und Spielenachmittag in der Turnhalle vorstellen. Das Publikum wurde an den meisten Stellen nicht mitgedacht. Zum Schluss schreien die Schüler_innen noch in die Menge, dass wir nicht vergessen sollten, dass sie die Zukunft sind.
Von Anna-Maria Buchgraber

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