»The Real Live - 5840 Tage Fake«

TrueMona Show
Mona ist 15 Jahre alt und eine typische Teenagerin: Sie hat Stress mit ihren Eltern, sie hat eine allerbeste Freundin und die Neue auf der Schule macht ihr Konkurrenz auf dem Pausenhof und bei den Jungs.
Was sie nicht weiß: Sie ist seit ihrer Geburt Teil der TV-Sendung „The Real Live“, die von einem cholerischen und machtsüchtigen Regisseur täglich neu gescriptet und in ihrer Handlung verändert wird. Er erfindet und schürt Konflikte, fügt neue Figuren hinzu und spinnt Intrigen, die die Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernsehgeräten unterhalten sollen. Mona ist dabei sein unwissender Spielball, der umgeben ist von Fake-Kulissen, Fake-Freunden und Fake-Eltern. Es kommt, wie es kommen muss: Monas beste Freundin bzw. die TV-Schauspielerin, die diese spielt, hat Mitleid mit ihr und verrät ihr kurz vor ihrem 16. Geburtstag (5840 Tage!), dass sie zeitlebens Teil einer TV-Show war, dass nichts um sie herum real war. Zwar schafft es die erschütterte Mona, die TV-Show zu verlassen, aber der egomanische Regisseur hat am Ende gar größere Visionen: „Die Welt will belogen werden! Ran ans Werk.“

Das kommt einem alles irgendwie bekannt vor? Richtig! Die beiden Wahlpflichtkurse 7/8 und 9/10 der Oberschule Lehre haben im Unterricht Peter Weirs Film „Die Truman Show“ von 1998 geschaut und diesen als Vorlage für Ihr Theaterstück genutzt. Dabei ist sehr zu loben, dass die Schülerinnen und Schüler den Film nicht einfach nachgespielt, sondern in ihre eigene Lebenswelt (Fotos von Räumlichkeiten ihrer Schule werden immer wieder auf die Opera-Folie im Hintergrund projiziert) verlegt haben und die Protagonistin zeitgemäße Jugendereignisse erleben lassen - wobei fraglich ist, ob auf heutigen Partys 15jähriger tatsächlich Dunes „Hardcore vibes“ laufen würde oder nicht doch eher The Weeknd oder Drake. Vor allem die Darstellerinnen und Darsteller der Hauptfiguren spielen mit großem Einsatz und stimmlicher Präsenz. Besonders hervorzuheben ist der aufwändig produzierte Trailer der fiktiven TV-Show, der tatsächlich allzu gut an real existierende TV-Formate erinnert.
Doch genau diese Fake-Realität ist auch ein Problem für die realen Zuschauer im Kleinen Haus. Ihnen fällt es im ersten Teil schwer, der Handlung des Theaterstücks zu folgen und es ist häufiger ein „Hä“ oder ein „Hast du das verstanden?“ zu hören. Das liegt daran, dass es ein tatsächlich schweres Unterfangen ist, einen Kinofilm über eine Serie im TV in das nächste Medium, nämlich ins Theater zu verlegen. Die Mehrdimensionalität lässt sich dabei schwer darstellen und der eigentlich gute Einfall, Schülerinnen und Schüler TV-Zuschauer spielen zu lassen, die die fiktive TV-Sendung „The Real Live“ kommentieren, verpufft, da der reale Zuschauer sie in der ersten (realen) Reihe des Kleinen Hauses gar nicht sehen kann - und so hört man zum Ende aus dem Publikum den Satz „Ach, die da vorne reden das die ganze Zeit.“ Um die Mehrdimensionalität der Handlung zu verdeutlichen, hätten vielleicht noch andere Lösungen gefunden werden können.

Toll aber, wie kreativ manch anderes angegangen wird: das Ballspielen mit nicht existierenden Bällen auf dem Schulhof, eine verstörende Video-Traumsequenz Monas, die Positionierung des übermächtigen Regisseurs im zweiten Rang und ganz besonders ausdrucksstark sein diabolisches Marionettenspiel mit seinen Mitarbeitern und Schauspielern - körperlich sehr intensiv gespielt von allen Beteiligten. Hier sagen Gesten, Mimik und Körperbewegungen mehr als Worte. Klasse! Nächstes Mal gerne noch mehr davon!
Am Ende gab es im fast ausverkauften Kleinen Haus verdienten Applaus für eine erzählerisch anspruchsvolle Inszenierung, in der ein großes und sichtbar motiviertes Schülerensemble deutlich werden lässt, mit wieviel Herzblut, Einsatz und zeitlichem Aufwand hier in all den Wochen zuvor gemeinsam gearbeitet wurde.
Von Christian Krüger

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