»Sternenhimmel«

Und wenn das Wesentliche doch sichtbar würde?
Vorsichtig und sehr zärtlich legt der Prinz seiner Rose die Jacke um die Schultern – er will sie schützen vor dem kalten Wind auf seinem Planeten. Doch den werde sie schon aushalten müssen, entgegnet sie, wenn sie auch die Schmetterlinge kennenlernen wolle. Der Abschied erfolgt leise – kein Kuss ist nötig, auch so sind Liebe und Intimität im Zuschauerraum spürbar, wenn die beiden etwas näher als eigentlich üblich aneinander vorbei – und auseinander gehen.
Eine fulminante Schauspielleistung zeigten die SpielerInnen der Theater-AG der Gaußschule an diesem Theatervormittag im vollbesetzten Haus Drei des Staatstheaters. So klar die Worte, so deutlich die Gesten, so spannend die Bilder, so überlegt der Einsatz der Kostüme und wenigen Requisiten.... Das Märchen des Kleinen Prinzen von Antoine de Saint Exupéry wird in die heutige Zeit „übersetzt“, ohne die wesentliche Botschaft aus den Augen zu verlieren. Wenn ein empfindsames Wesen plötzlich von einem anderen Planeten auf die Erde fällt – auf wen würde es heutzutage treffen? Was würde heute irritieren? Wie findet man heute wahre Freunde und wie macht man sie sich heute vertraut?
Auf jeden Fall nicht über den Ausverkauf der Gefühle bei Facebook und Instagram, wie es die Schlange und ihre Mädelsgang versuchen, die sehr rigoros den Prinzen jeweils für sich ganz persönlich erbeuten wollen. Was Mister „Supercool“ auf den Plan ruft, der den Nebenbuhler durch Hohn und Spott lächerlich zu machen versucht.
Wie hier über sehr genau choreografiertes Statusspiel die anfängliche Verunsicherung des Prinzen in Selbstbewusstsein und sich Besinnen auf die wahren Stärken wie Hingabe, ernst gemeinte Bewunderung und echte Gefühle umschlug – das gehörte zu den Highlights dieser Inszenierung.
Und was man mit roten Handschuhen alles anklingen lassen kann, machte die Rose deutlich, deren Dornen ebenso spitz und verletzend waren, wenn sie diese Handschuhe durch die Öffnung des eigenen Kokons steckte, als auch so entwaffnet und an die Liebe hingegeben, wenn sie die Handschuhe einfach auszog und die „Dornen“ dann schlaff und ermattet auf dem Kissen lagen. Welch spannende Idee – welch professioneller Einsatz eines Kostümteils!
Eine heimtückische Schlange und eine nachdenkliche Bruchpilotin rundeten den Reigen dieser Suchenden nach den echten, den tiefen Gefühlen grandios ab. Nicht zu vergessen die Spielerin der Handpuppe, die den Fuchs überlegt, schlau und überzeugend in Szene setzte. Die anderen SpielerInnen überboten sich in Werbung, Konkurrenz und weiteren bösen Spielchen mit dem Prinzen – hier wurde man neugierig, ob sich nicht noch weitere Schauspieltalente unter ihnen versteckt haben. Vielleicht könnte man ja für die nächste Saison ein Stück auswählen oder so umschreiben, dass noch mehr Mitwirkende in Szenen gesetzt werden können?
Dem Wirbelsturm Wiebke hatten es die Zuschauer zu verdanken, dass große Äste eine wunderschöne, verwunschene Parkatmosphäre auf der Bühne erzeugten. Die ursprünglich verfolgte Idee, den Prinzen in einer Disco auf die Erde fallen zu lassen, wurde zu Gunsten dieser Parklandschaft verworfen – eine treffliche Entscheidung, die viel Raum für Interpretationen ließ. Wo hat sich nun das Wesentliche versteckt, das nur mit dem Herzen sichtbar wird? Und haben wir es nicht doch gesehen? Wunderbar sichtbar gemacht durch das feinfühlige und überzeugende Spiel dieser engagierten Theatertruppe.
Applaus! Applaus! Applaus!
Von Agnes Koller

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