»VERLOREN«

Vom Roboter zum Individuum
Du kannst das nicht. Hör einfach auf. Akzeptier es, wie es ist. Du kannst es eh nicht ändern. Sätze, die jeder von uns kennt. Wir hören sie von anderen und sie schwirren in unserem Kopf herum.
Die Bühne ist dunkel, die 14 Schülerinnen und Schüler der Ricarda-Huch-Schule in schwarz gekleidet. Weiße Masken liegen am Bühnenrand. Es entstehen Formationen, Gruppierungen, Massen. Es wird ausgegrenzt, sich abgegrenzt und beobachtet.
Es wechselt von rotem zu blauen Licht, von alleine sein zum Gruppensein. Es wechselt von melancholischer zu elektronischer zu fröhlicher Musik. Wir hören die Geräusche, die beim Tanzen entstehen, wir hören das TICK TOCK von Uhren. In Eile sein, sich hetzen, dazugehören wollen, sich anpassen, sich selbst suchen, sich verstellen, das Gefühl zu haben nicht dazuzugehören.
Es wird sich auf der Bühne maskiert, außer einem Mädchen. Sie ist anders, anders, anders als die Anderen. Schlussendlich maskiert auch sie sich und wird ebenfalls zum „Roboter“ der Gesellschaft. Mit einer großartigen Körperspannung und Bühnenpräsenz beginnen die Schülerinnen choreographisch zu tanzen.
In der Schlussszene nimmt zuerst das Mädchen ihre Maske wieder ab und dann geht sie von Tänzer zu Tänzer und nimmt jede einzelne Maske ab. Es wird sich fragend umgesehen, es ist erst unangenehm und ungewohnt ohne Maske als Schutz, aber dann tauen alle auf. Sie können sie selbst sein, sich gegenseitig ermutigen, sich freuen und tanzen. Es geht um die Suche nach Identität, um die Selbstakzeptanz, ums Erwachsenwerden, um die Individualität. Diese doch kitschige Szene wird ganz pfiffig von dem „Regisseur“, dem einzig männlichen Tänzer, mit den Worten: „Ihr habt verloren“ unterbrochen. Der Abend ist unterhaltsam, facettenreich, dynamisch, überraschend.
Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie die Schülerinnen und Schüler Spaß haben auf der Bühne, beim Tanzen und wie viel Arbeit und Mühe sie in das Stück gesteckt haben. Im Nachgespräch erzählen sie davon, dass sie viel Freiraum von ihrem Lehrer bekommen haben, einzelne Szenen zu erarbeiten und dass sie sich das Thema „Verloren“ selbst ausgesucht haben. Das merkt man ihnen an, dass sie sich damit intensiv auseinandergesetzt haben und es somit auf der Bühne authentisch und mit Freude zeigen konnten.
Von Stella Wörner

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