»Mein dystopisches Utopia«

Werden auch Sie Teil des Panoptikums
Schon die Platzsituation auf der Bühne des LOT Theaters erinnert an das Gefängniskonzept des Panoptikums, in dem jeder zu jeder Zeit von allen Seiten überwacht werden kann. Die Spielfläche des Darstellenden Spiel Kurses des 11. Jahrgangs des Gymnasiums Kleine Burg befindet sich in der Mitte der Bühne, um die die Zuschauenden kreisförmig herumsitzen und so jeder Bewegung gewahr werden können. Doch die 22 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Melanie Alfke kehren dieses‚ den Blicken von allen Seiten ausgeliefert Seins schon zu Beginn des Stückes um, indem sie sich hinter die Zuschauenden stellen. In weißen Hemden, mit fluoreszierender Farbe bemalt, stehen sie im Schwarzlicht reglos da und beobachten ebenfalls. In dem selbstgeschriebenen Stück »Mein dystopisches Utopia« werden alle zu Überwachern und Überwachten.
In einer fiktiven Zukunft wird alles der Technik überlassen. Der Mensch wird von Kindesbeinen durch Computerchips trainiert und sozialisiert. Die Menschen altern viel weniger, arbeiten weniger und versuchen durch Überwachung ihr Umfeld immer sicherer zu gestalten. Individualität, eigene Meinung und Freiheit bleiben bei dieser Suche nach Perfektion auf der Strecke. Trotz all der Kameras und der Gleichheit machen sich Konflikte breit. Auf der Bühne werden die Spielenden zu Panzern, Spionen, Soldaten, Robotern. Es wird Krieg gespielt auf Schachfeldern mit Stein, Schere, Papier. Menschen werden zu Waffen, werden zu Material und so erinnert diese Zukunft an die dunkelsten Zeiten der Vergangenheit dieses Landes. Auf der anderen Seite werden eigene Wünsche an eine Utopie, an eine bessere Welt formuliert und es beeindruckt, dass die Spielenden nach nur einem Jahr Darstellendes Spiel Unterrichts eine zugleich so komplexe wie tiefgründige Thematik anreißen. In der anschließenden Nachbesprechung stellen sich die Spielenden, nun im vollen Licht, in der Mitte sitzend ohne Skript oder Spielleitung den Fragen des Publikums. Neben der Überwindung von Bühnenangst und anfänglichem Schamgefühl beschreiben sie die Auseinandersetzung mit sich selbst aber auch der Zukunft anderer als eine ihrer wichtigsten Bühnenerfahrungen und schaffen dadurch am Ende des Abends vielleicht selbst den Keim einer kleinen Utopie von Jugendlichen, die nach- und mitdenken.
Von Daniel Tiemerding

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